Malm zum Beispiel, erhältlich unter anderem in Birken- oder Eichenfurnier, sieht eigentlich ganz schlicht aus: Ein rechteckiger Kasten mit klaren Kanten, darin – je nach Modell – zwei bis sechs ebenso rechteckige Schubladen, eine glatte Front, fertig.

Wenn er vor einer Kommode seines Unternehmens steht, kann nicht mal Anders Hildeman auf Anhieb sagen, wo das verwendete Holz herkommt.

Doch das Schränkchen ist eines der komplexesten Produkte des schwedischen Möbelkonzerns Ikea, dessen Forstbeauftragter Anders Hildeman ist. Hildeman zufolge werden für Malm-Kommoden 26 verschiedene Holzsorten aus 17 Ländern verwendet. Tausende Waldbesitzer liefern das Holz, zum Beispiel aus Kanada, Russland, Schweden, Polen, Litauen, der Türkei oder Österreich. Mal sind es Privatleute, mal der Staat.

Mit Ikea selbst haben sie wenig zu tun. Die Lieferkette des Konzerns ist lang und hat viele Glieder; die Waldbesitzer stehen ganz an ihrem Anfang. Sie verkaufen ihr Holz an Fabrikanten, die Zellstoff oder Holzbretter daraus machen. Den Zellstoff verarbeiten weitere Hersteller zu einem speziellen Papier. Die direkten Zulieferer des Möbelherstellers kaufen Holzbretter, Papier und Folien und fertigen daraus die laminierten Bretter, aus denen die Kunden sich später ihre Kommode zusammenschrauben.

Arbeitsplätze nach Osteuropa

Für all seine Produkte verwendet Ikea Holz aus 51 Ländern. Das Unternehmen hat 370 Lieferanten und, einen Schritt weiter unten in der Lieferkette, schon mehr als 3.000 Unterlieferanten. Damit ist der Möbelkonzern zwar ein extremer Fall in einer globalisierten Branche – doch das Beispiel von Malm zeigt, wie international der Rohstoff Holz heute gehandelt wird.

Wer etwa in Dresden einen Stuhl kauft, wird kaum davon ausgehen können, dass die Wertschöpfung vom Baum zum Möbelstück in Sachsen stattgefunden hat. Auch nicht bei einem teuren, handgearbeiteten Luxus-Stuhl.

Solche stellt die Firma Accente aus dem niederrheinischen Viersen her. Während der teuerste Ikea-Stuhl 150 Euro kostet, zahlt der Kunde für einen Stuhl vom Niederrheim 600 bis 800 Euro. Accente kauft im Ausland und in Deutschland ein. Sitzkästen aus Buchenholz etwa, die in den Stühlen des Unternehmens verarbeitet werden, kommen aus Deutschland, Italien und zu einem kleinen Teil aus Tschechien. Dort ist die Herstellung der Teile günstiger. Um Laubholz zu verarbeiten, braucht man viel Personal; deshalb hat sich nach 1990 viel Industrie nach Osteuropa verlagert, wo das Lohnniveau niedriger ist. Zugleich sind die Transportwege relativ kurz, so dass sich die Verlagerung lohnt.