Frage: In Griechenland und in anderen Problemländern haben wir bereits erlebt, dass Bankkunden ihre Einlagen abheben.

Krugman: Griechenland ist einfach fundamental insolvent.

Frage: Der letzte Vorschlag für einen Schuldenschnitt waren 50 Prozent. Reicht das?

Krugman: Sogar mit 50 Prozent senkt man die Schuldenquote im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nur sehr moderat. Es bleibt also noch ein hoher Schuldenberg für eine längere Zeit. Man kann deshalb gute Argumente für einen höheren Schnitt von etwa 70 Prozent finden. Aber eine dezidierte Meinung habe ich dazu nicht.

Frage: Griechenland ist klein. Was ist mit anderen Wackelkandidaten?

Krugman: Auch Portugal ist fundamental insolvent, eventuell auch Irland. Aber das gilt nicht für Italien und Spanien. Wenn beide Länder nicht unter einer spekulativen Attacke der Märkte zusammenbrechen, können sie es schaffen. Sowohl Spanien als auch Italien haben bei Anleiherenditen von bis zu vier Prozent eine gute Überlebenschance. Bei sieben Prozent allerdings funktioniert das nicht. Da kommt dann eben die EZB ins Spiel.

Frage: Was wäre der Worst Case für die kommenden Jahre?

Krugman: Italien verlässt den Euro. Kunden ziehen ihre Einlagen ab. Banken schließen. Spanien wird mit nach unten gezogen. Wahrscheinlich fällt dann auch Frankreich. Die Konsequenz: Der Euro mutiert zu einer erweiterten Deutschen Mark. Ich kann kaum glauben, was ich da sage. Auch wenn es schwerfällt: Das hat eine Wahrscheinlichkeit von bis zu 40 Prozent.

Frage: Wie wäre das zu verhindern?

Krugman: Die EZB müsste eben sehr radikale Dinge tun. Sie müsste großflächig Staatsanleihen aufkaufen. Der Rettungsschirm ist im Vergleich dazu weniger wichtig. Und die EZB müsste glaubhaft machen, dass sie mit ihrem Inflationsziel nicht mehr so strikt umgeht.