Frage: Regeln brechen, im Widerspruch zu geltenden Verträgen Anleihen kaufen, Inflation vernachlässigen – ist jetzt alles erlaubt?

Krugman: Wir sind eben in einer ganz entscheidenden Phase. Und das Inflationsthema darf man nicht überstrapazieren. Fallende Rohstoffpreise werden die Geldentwertung in Schach halten. Vielleicht kommen wir dann auf drei Prozent jährlich. Das wäre keine echte Gefahr. Wir stehen nicht vor dem deutschen Hyperinflationsjahr 1923.

Frage: Dennoch: Verträge brechen? Es regt sich Widerstand, auch innerhalb der Bundesbank.

Krugman: Regeln werden gebrochen. Aus historischer Sicht ist es nicht neu. Das haben Zentralbanken schon oft getan. Ein Beispiel: die Bank von England im 19. Jahrhundert in ähnlicher Lage mit Genehmigung der Regierung. Da haben viele einfach weggeschaut.

Frage: Als Amerikaner kommen Sie aus einem Land mit einer anderen Notenbanktradition als in Deutschland.

Krugman: In den USA oder Großbritannien war immer klar, dass die Notenbanken bei Extremlagen als letzter Retter bei der Finanzierung einspringen. Noch einmal: In Extremlagen bricht man eben die Regeln. Aus EZB-Sicht heißt es: Entweder das oder wir lassen den Euro auseinanderbrechen – dann können wir die Gemeinschaftswährung vergessen.

Frage: Spielt es da überhaupt noch eine Rolle, ob die EZB Anleihen direkt vom Staat oder an den Finanzmärkten kauft?

Krugman: Das spielt eigentlich keine maßgebliche Rolle, das sind eher technische Feinheiten. Die EZB würde ganz einfach eine Untergrenze für die Preise der Anleihen setzen beziehungsweise spiegelbildlich die Renditen deckeln. Wenn man das dem Markt glaubhaft macht, wären möglicherweise gar keine so umfassenden Bondkäufe nötig.

Frage: Wird die EZB auch einmal deutsche Bundesanleihen aufkaufen müssen?

Krugman: Das halte ich für unwahrscheinlich.

Erschienen im Handelsblatt