Der geplanten Ärztestreik an den Universitätskliniken ist abgesagt. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat sich mit der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) auf einen neuen Tarifvertrag mit höheren Gehältern für die Ärzte an Uni-Kliniken geeinigt. "Die große Tarifkommission hat entschieden, den Streikaufruf zurückzuziehen", sagte der Sprecher des Marburger Bundes, Hans-Jörg Freese. Die Einigung sieht demnach für die rund 20.000 betroffenen Ärzte eine lineare Gehaltserhöhung um 3,6 Prozent ab 1. November vor, außerdem eine Einmalzahlung von 350 Euro. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis Ende Februar 2013.

Deutliche Verbesserungen für die Ärzte gibt es laut Marburger Bund auch in der Vergütung von Nachtarbeit. Pro tatsächlich gearbeitete Nachtstunde soll es künftig einen Zeitzuschlag von 20 Prozent des normalen Stundenentgelts geben. Bislang wurde lediglich ein pauschaler Zuschlag von 1,28 Euro pro Stunde gezahlt. Auch für nächtliche Bereitschaftsdienste soll es künftig Zeitzuschläge geben. Zudem werden erstmals Ärzte im Justizvollzugsdienst in den Geltungsbereich des Tarifvertrages aufgenommen.

Der Marburger Bund hatte angekündigt, ab Montag an 23 deutschen Uni-Kliniken unbefristet zu streiken, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. In einer Urabstimmung hatten 97,4 Prozent der Ärzte für den Streik gestimmt. Dies hätte für zahlreiche Patienten Verzögerungen und spätere Termine für planbare Eingriffe bedeutet.

Die Gewerkschaft hatte für die Ärzte fünf Prozent mehr Lohn sowie eine bessere Bezahlung von Bereitschaftsdiensten gefordert. Frühere Tarifrunden waren zum Teil mit Arbeitsniederlegungen verbunden gewesen, bei denen auch Operationen verschoben werden mussten. Die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) ist der gemeinsame Arbeitgeberverband von 14 Bundesländern. Berlin und Hessen sind nicht Mitglieder in der TdL. Auch für die Ärzte an einzelnen weiteren Uni-Kliniken gelten eigene tarifliche Regelungen.