Der Stromnetzbetreiber Tennet hat die Bundesregierung vor massiven Schwierigkeiten bei der Anbindung neuer Offshore-Windparks gewarnt. Die Errichtung von Anschlüssen sei "in der bisherigen Form nicht länger möglich", zitierte die Süddeutsche Zeitung aus einem Brief der Tennet-Geschäftsführung an das Kanzleramt, Umwelt- und Wirtschaftsministerium. So gebe es "massive Probleme bei der Beschaffung des notwendigen Kapitals".

Tennet sieht in "sämtlichen laufenden Projekten erhebliche Schwierigkeiten im Planungs- und Baufortschritt". Selbst Lieferanten könnten ihre Termine derzeit kaum noch einhalten. Nötig sei daher ein "geordneter Offshore-Netzausbau- und Entwicklungsplan". Auch müsse die Finanzierungslast auf mehr Schultern verteilt werden.

Um den Ausstieg aus der Atomenergie zu bewältigen, setzt die Bundesregierung massiv auf Windparks in der Nord- und Ostsee. Bis 2030 sollen 15 Prozent des deutschen Strombedarfs aus solchen Anlagen gedeckt werden. Das niederländische Unternehmen Tennet, das vor zwei Jahren das Stromnetz des Energieriesen Eon übernommen hatte, ist für den Anschluss der Windparks in der Nordsee zuständig. Laut der Süddeutschen Zeitung arbeitet Tennet derzeit an acht Kabeln.

Bau neuer Stromleitungen ist zu langsam

Indessen forderte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs rasche Kürzungen bei der Förderung erneuerbarer Energien. Der Solar- und Windenergieausbau gehe rasch voran. Daher könnte die von allen Stromverbrauchern zu zahlende Ökoenergie-Umlage bis 2013 auf bis zu 4,7 Cent je Kilowattstunde steigen. Dies würde für einen Haushalt Mehrausgaben von 40 Euro pro Jahr bedeuten und dessen Kosten für die Ökoförderung auf bis zu knapp 200 Euro jährlich steigen lassen.

"Bei Wind müsste geschaut werden, ob die Offshore-Förderung, also für Windparks auf See, nicht einen Schlag zu hoch ist." Insgesamt müssten natürlich rasch die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, aber das Tempo müsse vernünftig sein und zugleich müsse die Ökoenergie rascher marktfähig werden.

Das größte Problem sieht Fuchs im mangelhaften Tempo beim Bau neuer Stromleitungen. Vielleicht sei man bei der Energiewende etwas zu euphorisch gewesen und habe sich das zu einfach vorgestellt. Fuchs war vor dem schwarz-gelben Beschluss zur Energiewende ein vehementer Befürworter längerer Atomlaufzeiten.