Der Sachverständigenrat erwartet im nächsten Jahr nur noch ein Wachstum von 0,9 Prozent. Die fünf Wirtschaftswissenschaftler schließen sich damit den Einschätzungen der führenden Forschungsinstitute und der Bundesregierung an. Die Risiken für die Konjunktur hätten sich vor allem wegen der ungelösten Euro-Schuldenkrise deutlich erhöht, geht aus dem Jahresgutachten des Expertengremiums hervor. Die Regierungsberater übergaben die 461 Seiten umfassende Analyse an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Weiterhin sehr erfreulich sei die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Im kommenden Jahr werde die Zahl der Arbeitslosen im Schnitt auf 2,9 Millionen sinken. Die Belebung der Binnennachfrage schiebe das Wachstum 2012 entscheidend an, während der Außenhandel es dämpfe. Allerdings hätten die Risiken im Herbst 2011 zugenommen: "Die Wirtschaft im Euro-Raum befindet sich in einem Teufelskreis aus Staatsschulden- und Bankenkrise, und politische Unwägbarkeiten verunsichern nach wie vor die Märkte."

Die fünf Berater loben in ihrem Gutachten mit dem Titel "Verantwortung für Europa wahrnehmen" die Beschlüsse des Euro-Krisengipfels vom 26. Oktober zur Eindämmung der Schuldenkrise. Der deutschen Politik sei hier eine besondere Verantwortung zugewachsen, der sie "letztlich im Großen und Ganzen gerecht geworden sei". Politische Widerstände in anderen Euro-Mitgliedstaaten wie die Ankündigung eines Referendums in Griechenland gingen nicht zu ihren Lasten.

Finanzierungskonzept für Steuersenkung gefordert

Die Ökonomen unterstützen grundsätzlich den Plan der schwarz-gelben Koalition, die inflationsbedingte "kalte Progression" abzumildern und so für mehr Steuergerechtigkeit zu sorgen. Jedoch sollten die erwarteten Steuerausfälle von 2,2 Milliarden Euro durch Einsparungen an anderer Stelle oder die Streichung von Steuervergünstigungen finanziert werden.

Die Wirtschaftsexperten schlagen vor, dafür die Pendlerpauschale und die Steuerfreiheit von Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschlägen abzuschaffen. Auch sollte der Steuerbonus bei Dienstwagen sowie bei der Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleistungen und Handwerkerleistungen auf den Prüfstand kommen.