Den europäischen Großbanken fehlen nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA insgesamt 114,7 Milliarden Euro. Das sind rund acht Milliarden mehr als nach den vorläufigen Daten von Ende Oktober, teilte die EBA mit.

Auf die deutschen Institute entfallen davon 13,1 Milliarden Euro. Das teilte die Bundesbank und die deutsche Finanzaufsicht BaFin mit. Betroffen sind davon sechs: die Commerzbank, die Deutsche Bank, die NordLB, die LBBW und – anders als im Oktober – auch die DZ Bank und die Helaba. Am meisten Geld braucht die Commerzbank: Sie kommt auf eine Lücke von rund fünf Milliarden Euro. Die Deutsche Bank braucht rund drei Milliarden Euro. Insgesamt hatten sich 13 deutsche Kredithäuser an dem Test beteiligt.

Bei dem Stresstest berechnete die EBA, wie viel Geld den Banken fehlt, um auch bei einer Verschärfung der Krise auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, wie auf einem EU-Gipfel beschlossen worden war. Bis Ende Juni nächsten Jahres müssen die Institute diese Quote erreichen. Dafür werden bei einigen Instituten Kapitalerhöhungen nötig, entweder über Investoren oder notfalls über Staatshilfen.

Die Banken sollen vier Wochen länger Zeit bekommen, ihre Pläne zur Kapitalaufstockung vorzulegen, hieß es aus Finanzkreisen. Nun haben die Banken bis zum 20. Januar 2012 Zeit. An dem Zeitraum, um auf die neunprozentige Kernkapitalquote zu kommen, habe sich nichts geändert. Dazu haben die Institute bis zum 30. Juni Zeit.

EZB erleichtert Banken die Kreditaufnahme

Nach der Senkung des Leitzinses auf einen Prozent beschloss die Europäische Zentralbank EZB weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzmarktes. Sie kündigte an, dass sich Geschäftsbanken künftig für einen extrem langen Zeitraum von drei Jahren Geld von der Notenbank leihen können. Bisher sind solche Geschäfte nur für die Dauer eines Jahres möglich.

Zudem lockert die EZB überraschend die Kriterien für Sicherheiten, die Banken bei der EZB hinterlegen müssen. Die sogenannte Mindestreserve senkte sie von zwei auf ein Prozent. EZB-Beobachter Michael Schubert ist von der Wirkung dieser Überraschung überzeugt: "Dadurch werden über den Daumen gut 100 Milliarden Euro für die Banken verfügbar." Ein deutscher Investmentbanker sagte: "Das ist eine riesige Erleichterung angesichts einer drohenden Kreditklemme."

Eine Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen schloss EZB-Chef Mario Draghi aber aus: "Wir wollen den EU-Vertrag nicht umgehen. Der Vertrag verbietet die Finanzierung von Staaten", sagte Draghi. "Wir sollten den Geist des Vertrages respektieren." In den vergangenen Wochen waren vor allem in Frankreich und an den Finanzmärkten Forderungen laut geworden, die EZB solle durch unbegrenzte Staatsanleihenkäufe klammen Euro-Ländern zu Hilfe kommen.

Erst in der vergangenen Woche hatten die EZB und andere führende Notenbanken rund um den Globus die Versorgung der Institute mit US-Dollar billiger gemacht und langfristiger gestaltet. Mit diesem Maßnahmenbündel wollen die Währungshüter verhindern, dass Banken das Geld ausgeht und in der Folge bei Unternehmen und Verbrauchern weniger Kredite ankommen.

Am Mittwoch hatte die Ratingagentur Standard & Poor's etliche große Kreditinstitute unter verschärfte Beobachtung gestellt, darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank. Den Instituten droht genauso wie ihren Heimatländern eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, was die Refinanzierung erschweren und am Ende die Krise verschlimmern könnte.