Die europäischen Banken verlieren in den USA offenbar an Vertrauen. Laut der britischen Zeitung Financial Times (FT) heben immer mehr Amerikaner ihr Geld von europäischen Instituten ab. Im vergangenen halben Jahr waren es insgesamt 291 Milliarden Dollar, die Einlagen schwanden also um 25 Prozent. Besonders betroffen war die Deutsche-Bank-Tochter Trust Company Americas. Allein im dritten Quartal sanken ihre Einlagen um 2,1 Milliarden Dollar.

Der Grund sei unter anderem die Ablehnung deutscher Banken durch US-Kunden. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank und die italienische Unicredit-Tochter HVB Wertpapierdepots amerikanischer Staatsbürger in Europa reihenweise kündigten. Der bürokratische Aufwand für diese sogenannten Offshore-Depots habe sich mit der verschärften Meldepflicht erhöht und stehe nun in keinem Verhältnis mehr zu den daraus erwirtschafteten Gewinnen, hieß es zur Begründung. Die Deutsche Bank zog sich deshalb schon im Sommer zurück, die HVB folgte nun zum Jahreswechsel. Betroffen sind Tausende Depotinhaber, die vermögende Kundschaft ebenso wie einfache Privatkunden.

Vor allem aber ist die derzeitige Euro-Krise ausschlaggebend. "Viele US-Unternehmen, die früher mit ausländischen Banken zusammenarbeiteten, beobachten die Lage und sagen: Ich will irgendwo hin, wo es sicherer ist", zitierte das Medium den Analysten Matt Burnell von Wells Fargo.

Im Gegenzug stiegen die Einlagen der amerikanischen Banken um 10 Prozent – also 663 Milliarden. Vor allem JP Morgan und Wells Fargo profitieren der Zeitung zufolge von der Umverteilung. Beide Institute vereinten zusammen etwa 160 Milliarden. "Das heißt, dass der Druck geringer ist, langfristige Einlagen zu erhöhen", zitierte die FT den Analysten Richard Staite von Atlantic Equities. "Dies ist ein großer Gewinn für die derzeitige Marktsituation."