Eigentlich war die Stärkung des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 200 Milliarden Euro bereits beschlossene Sache. Doch zehn Tage nach dem EU-Gipfel ist einer der Geldgeber abgesprungen: Großbritannien hält zumindest vorläufig seinen Beitrag von etwa 25 Milliarden Euro zurück. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker nach einer Telefonkonferenz der EU-Finanzminister veröffentlichte.

Die Nicht-Euro-Länder Tschechien, Dänemark, Polen und Schweden wollen sich jeweils mit Beiträgen in Milliardenhöhe an den Zahlungen beteiligen. Zusammen mit den Beiträgen der 17 Euro-Staaten, die 150 Milliarden Euro als bilaterale Darlehen bereitstellen, stehen somit insgesamt mehr als 170 Milliarden Euro für die Aufstockung der IWF-Mittel bereit.

"Großbritannien hat mitgeteilt, dass es seinen Beitrag Anfang des kommenden Jahres im Rahmen der G 20 definieren wird", sagte Juncker. Nach einem Bericht der britischen Nachrichtenagentur Press Association lehnte der britische Finanzminister George Osborne bei der Telefonkonferenz die Aufstockung ab, weil sie vor allem der Rettung von Euro-Ländern diene. Großbritannien sei jedoch bereit, sich an "einer globalen Anstrengung zur Stärkung der IWF-Ressourcen" zu beteiligen. Im Januar kommt die G-20-Gruppe führender Wirtschaftsnationen bei einem Gipfeltreffen in Mexiko zusammen.

Auch Bundesbank hat Bedenken gegenüber IWF-Kredit

Die Aufstockung der IWF-Hilfen um 200 Milliarden Euro war Teil der Beschlüsse des EU-Gipfels vom 9. Dezember. Nicht nur die Briten, sondern auch die USA und die deutsche Bundesbank hatten wenig Begeisterung für zusätzliche Aufwendungen gezeigt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat bereits angekündigt, den deutschen Kredit in Höhe von bis zu 45 Milliarden Euro notfalls zu blockieren. Es müsse sichergestellt werden, dass das Geld nicht nur speziell für die Rettung angeschlagener Euro-Länder verwendet werde, sondern dem Währungsfonds generell zur Verfügung stehe. Das Verbot der Finanzierung von Staaten dürfe auf diese Weise nicht umschifft werden.

Juncker appellierte nochmals an die G-20-Staaten sowie weitere finanzkräftige IWF-Mitglieder, sich an der Aufstockung der Mittel zu beteiligen. Gefragt seien unter anderem Länder wie die USA, Russland und Japan.