Der Leitzins für die Euro-Zone bleibt einen weiteren Monat lang bei einem Prozent. Nach zwei Zinssenkungen in Folge sah der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) damit bei seiner ersten Zinsentscheidung im neuen Jahr noch von Änderungen ab, teilte die EZB mit. Analysten erwarten aber, dass der Leitzins im Jahresverlauf noch weiter sinken könnte.

Die EZB widersteht damit vorerst dem Ruf nach noch niedrigeren Zinsen im Euro-Raum . Wegen der schwachen Konjunktur gibt es allerdings bereits Forderungen, den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft weiter zurückzunehmen und erstmals seit Einrichtung der EZB 1998 unter die Marke von 1,0 Prozent zu senken. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so das Wachstum anschieben. Allerdings befeuern sie auf der anderen Seite die Inflation.

Um die Wirtschaft in der Euro-Zone zu stützen, hatte die Zentralbank im November den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, von 1,5 auf 1,25 Prozent und im Dezember um weitere 25 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt. Am Nachmittag will EZB-Präsident Mario Draghi die jüngste Entscheidung der Notenbank erklären.

Maßnahmen entfalten noch keine Wirkung

Gegen eine weitere Zinssenkung spricht, dass die jüngsten massiven Maßnahmen der Notenbank nicht ihre volle Wirkung entfaltet haben. Außer mit extrem niedrigen Zinsen helfen die Währungshüter den von Staatsschulden- und Vertrauenskrise geschwächten Banken mit umfangreichen Sonderkrediten.

So reichte die EZB kurz vor Weihnachten über einen außergewöhnlich langen Dreijahreskredit fast 500 Milliarden Euro an Geldinstitute der Euro-Zone aus. Zudem lockerte sie die Kriterien für Sicherheiten, die Banken für Zentralbankgeld hinterlegen müssen. Alles das soll ein Austrocknen der Kreditströme verhindern und damit mögliche Negativfolgen für die Konjunktur abfedern.

Nach Meinung von Beobachtern wird sich die Notenbank unter ihrem seit Anfang November amtierenden Präsidenten Draghi alle Optionen offenhalten – auch aufgrund der nach wie vor vorhandenen Anspannung im Bankensektor. Die EZB selbst stellte im Dezember fest, die Finanzstabilität im Euro-Raum sei so stark gefährdet wie nie seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.