Das Ende ist nah, Markus Schübel weiß es. Schon bald wird der Euro im Zuge einer Hyperinflation untergehen, schreibt er im Internet. Eine Weltwährungsreform sei sicher, "umfassende Enteignungen" ebenso. Dagegen könnten sich Vermögensbesitzer allerdings schützen, lässt er wissen – indem sie seinen Infobrief abonnieren, für nur 247 Euro im Halbjahr. Woher sein Wissen über die Zukunft stammt, will Schübel lieber nicht sagen, am Telefon ist er nicht zu sprechen, Mails beantwortet er nicht.

Er ist nur einer von vielen, die die Angst um den Euro in klingende Münze zu verwandeln versuchen. Immobilienmakler berichten von traumhaften Geschäften, Gold war noch nie so wertvoll wie im abgelaufenen Jahr. Sachwerte sind gefragt, die das Vermögen über Krisenzeiten retten. Spätestens, seit die Europäische Zentralbank ihre Grundsätze über Bord geworfen hat und Staaten mit Anleihenkäufen vor der Pleite rettet, fragen sich viele: Ist das Geld noch sicher? Oder ist der Euro bald nur noch 50 Cent wert?

Die Angst vor einer Inflation steckt tief. Zwei Währungsreformen im vergangenen Jahrhundert haben sich Gedächtnis vieler Deutschen eingebrannt. Der Euro sei stabiler als die Mark es je gewesen sei, versucht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu beschwichtigen – doch seine Argumente verfangen nicht. Zwei Zinssenkungen, eine halbe Billion Euro zur Stützung der maroden Banken – seit seinem Amtsantritt Anfang November ist EZB-Präsident Mario Draghi vor allem damit beschäftigt, die Gelddruckpresse in Schwung zu halten. Hinzu kommt der Kauf griechischer und italienischer Staatsanleihen für mehr als 200 Milliarden Euro, den sein Vorgänger angestoßen hat. Draghis Beteuerung, nur "begrenzt" und "temporär" Bonds zu kaufen, überzeugt die Skeptiker nicht.

Die Deutschen haben viel zu verlieren: Auf fast fünf Billionen Euro ist ihr Geldvermögen gewachsen. Auf den ersten Blick kaum spürbare Preiserhöhungen können auf Dauer schmerzen: Bei einer Inflationsrate von zwei Prozent besitzt ein Vermögen nach zehn Jahren nur noch 82 Prozent seiner Kaufkraft, bei vier Prozent sind es noch 68 Prozent.

Nicht allein die Vermögenden leiden: Renten und Sozialtransfers steigen meist weniger stark als die Teuerung, die Gewerkschaften können nicht so schnell höhere Löhne durchsetzen, wie die Lebenshaltungskosten steigen. Es gewinnt, wer Gold, Diamanten, Gemälde oder Häuser besitzt. Und der Staat. Seine Einnahmen sind an das Preis- und Einkommensniveau gekoppelt, die Schulden sind fix. Auf diese Weise entwertet die Inflation die Schulden, ohne dass dazu ein politischer Beschluss nötig wäre.

An den letzten Währungskrisen hierzulande waren Kriege schuld. Den Ersten Weltkrieg hatte das Kaiserreich über Anleihen finanziert, die von Bürgern gezeichnet worden waren. Ihr Wert verfiel, die Reichsbank nahm es hin. Die Preise stiegen immer rasanter. Im Januar 1920 kostete ein Brief 20 Pfennig Porto, im Oktober 1923 zehn Millionen Mark, keine zwei Wochen später 100 Millionen.

Womöglich käme ein bisschen Inflation der Politik auch heute gelegen. Die deutsche Verschuldung, rund zwei Billionen Euro, stammt aus der Zeit weit vor den Euro-Rettungsschirmen. Nun sind die Schulden so hoch, dass der Spielraum der Politik knapp wird. "Alle Regierungen wollen irgendwann von ihren Schulden nichts mehr wissen", sagt der Inflationshistoriker Adam Fergusson.