DIE ZEIT: In Ihrem jüngsten Roman Super Sad True Love Story zeichnen Sie eine düstere Zukunft für Amerika . Wirtschaft am Boden. Politik zerstritten. Weltmacht futsch.

Gary Shteyngart: Und nicht zu vergessen: In dem Buch spielen auch transparente Jeans eine Rolle. Wissen Sie was? Zwei Monate nach der Veröffentlichung sind sie auf den Markt gekommen.

ZEIT: Mal im Ernst – glauben Sie, dass Ihre Vorhersagen Wirklichkeit werden?

Shteyngart: Schauen Sie doch mal, in China und Indien leben Milliarden Menschen, die härter arbeiten als die Amerikaner. Sie sind gebildet, und man kann Aufträge an sie outsourcen. Die Amerikaner hingegen sind fett und müde.

ZEIT: Im weltweiten Vergleich arbeiten die Amerikaner doch noch ziemlich viel.

Shteyngart: Vielleicht mehr als die Griechen, aber die Chinesen arbeiten noch viel härter. Solche Konkurrenz sind wir nicht gewohnt. Wir glauben bloß geradezu messianisch an unsere Fähigkeiten.

ZEIT: Sie glauben nicht daran.

Shteyngart: Die USA werden auf jeden Fall ein sehr viel ärmeres Land werden. Argentinien ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein wohlhabendes Land mit einer behaglichen Mittelschicht ganz tief abrutscht. Auch wir könnten auf den Status eines Entwicklungslandes abrutschen.