Denn über gestohlene bankinterne Dokumente hatte ausgerechnet die Schweizerische Volkspartei von diesem Deal erfahren. Die Rechtspartei kämpft seit eineinhalb Jahren gegen Hildebrand, ihr inoffizieller Chef, der 70-jährige Milliardär Christoph Blocher , hatte ihn mehrfach zum Rücktritt aufgefordert. Anfang Januar wurden die Bankunterlagen der Weltwoche zugespielt, die meist im Einklang mit Blocher schreibt – und den Nationalbankchef denn auch flugs als "Gauner" und "Spekulant" bezeichnete, ihm Insiderhandel vorwarf und ihm ein Strafverfahren andichtete.

In den folgenden Tagen erwiesen sich die Vorwürfe Blochers und der Weltwoche jedoch zunehmend als haltlos. Die Quellenlage wurde dünn und dünner, die zuständige Staatsanwaltschaft dementierte, dass gegen Hildebrand überhaupt ermittelt wurde, und der Versuch, aus einer einzelnen Investition der Hildebrands eine großen Skandal zu machen, verlief im Sande. Die Nationalbank legte zwei Prüfungsberichte vor, die ihren Präsidenten entlasteten; der Mail-Verkehr mit dem Kundenberater der Bank, über die das Geschäft abgewickelt wurde, wurde veröffentlicht und alle Parteien stellten sich demonstrativ vor Hildebrand – doch das alles half nichts.

Philipp Hildebrand wurde klar, was das Kernproblem eines jeden wahren Skandals ist: Ist der Geist einmal aus der Flasche, bringt man ihn nie mehr zurück. Ist ein Zweifel einmal geweckt, kann man ihn nie mehr ganz ausräumen.

Und da die Volkspartei und Blocher keine Anstalten unternahmen, mit ihrer Kampagne aufzuhören, zog Hildebrand die Reißleine. Zur Wahrung seiner eigenen Glaubwürdigkeit sowie der Handlungsfähigkeit der Schweizer Nationalbank räumte er nun seinen Posten.