Im Streit um weitere Reformen für das hoch verschuldete Griechenland muss bis zum Abend eine Entscheidung fallen. Am Sonntagnachmittag kam das griechische Kabinett unter Ministerpräsident Lucas Papademos zusammen. Der Regierungschef will sich innenpolitische Zustimmung für die zusätzlichen Sparmaßnahmen sichern, die die Troika aus EU , Internationalem Währungsfonds ( IWF ) und Europäischer Zentralbank (EZB) verlangt.

"Es gibt große Schwierigkeiten, aber es gibt auch keine Sackgassen", sagte ein hoher Funktionär. Finanzminister Evangelos Venizelos stellte die Lage dramatischer dar: Die Verhandlungen seien "auf Messers Schneide". Bis zum späten Sonntagabend müsse eine Einigung erzielt werden.

Die Troika prüft seit mehr als drei Wochen vor Ort, ob Athen die bisher vereinbarten Reformen umgesetzt hat. Ihr Ergebnis liegt zwar noch unter Verschluss, schon jetzt ist aber klar, dass die Griechen wesentliche Ziele verfehlt haben. Obwohl Troika und Griechen seit einer Woche Tag und Nacht verhandeln, gelang es ihnen bisher nicht, sich auf einen neuen Plan zu einigen.

Streit um Lohnkürzungen

Die Parteien der Übergangsregierung hatten vor der Kabinettssitzung Vorbehalte gegen die Forderungen der Troika geäußert. Auch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sperrten sich. Die Troika verlangt weitere Lohnkürzungen auch im privaten Sektor. Das bedeutet bis zu 25 Prozent weniger Einkommen für Arbeitnehmer.

Damit weitere Finanzhilfen aus Europa fließen, müssen alle politischen Parteien in Griechenland schriftlich und verbindlich erklären, dass sie die Reformprogramme unterstützen.

Ergebnislos blieben bisher auch die Verhandlungen der Griechen mit Vertretern des Internationalen Bankenverbandes (IIF) über einen Schuldenerlass. Seit Wochen verhandelt Griechenland mit seinen Privatgläubigern über einen freiwilligen Schuldenerlass . Damit soll Athen um rund 100 Milliarden Euro entlastet werden. Die Einigung auf einen freiwilligen Schuldenschnitt ist Voraussetzung für weitere Hilfen der Troika.

Europa erhöht Druck auf Griechenland

In den Verhandlungen über das zweite Hilfspaket haben die Partnerländer im Euro-Raum den Druck auf Griechenland erhöht . Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor einer Insolvenz Griechenlands und einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone gewarnt. In einem solchen Fall würde es zu kaum vorstellbaren Kollateralschäden kommen. Eine besondere Gefahr sei die der Ansteckung anderer Krisenländer. "Es geht nicht nur um Griechenland, sondern um Europa."

Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker , forderte weitere Anstrengungen von Griechenland. Auch eine Insolvenz schloss er nicht aus. Allein die Möglichkeit, dass so etwas passieren könnte, sollte den Griechen "dort Muskeln verleihen, wo sie im Augenblick noch ein paar Lähmungserscheinungen haben", sagte Juncker dem Spiegel .

Sondertreffen für Mittwoch geplant

Ursprünglich wollten sich die Finanzminister der 17 Euro-Länder an diesem Montag treffen, um das zweite griechische Hilfspaket weitgehend zu beschließen. Weil aber weder die politischen Zusagen aus Athen vorliegen, noch der Schuldenerlass vereinbart ist, wurde das Treffen verschoben. Es soll "voraussichtlich" am Mittwoch nachgeholt werden. "Sicher ist das nicht", sagte ein Vertreter eines Euro-Landes am Sonntag der Süddeutschen Zeitung . "Das griechische Kabinett muss jetzt einige Beschlüsse fassen, bevor wir überhaupt weiter reden."

Griechenland braucht am 20. März rund 14,5 Milliarden Euro, um alte Schulden abzulösen. Andernfalls droht dem Land die Pleite.