Die griechische Regierung bemüht sich unter Hochdruck um eine Mehrheit für ihr umstrittenes Sparpaket . Ministerpräsident Lucas Papademos verhandelt in einer entscheidenden Sitzung mit den Chefs der drei griechischen Koalitionsparteien über die von der Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds ( IWF ) geforderte Verschärfung des Spar- und Reform-Kurses. Die Sparmaßnahmen sollen bis zum Ende der Woche das Parlament in Athen passieren.

Das überschuldete Griechenland muss die Bedingungen der internationalen Geldgeber erfüllen, um weitere Milliardenhilfen zu erhalten und damit eine Insolvenz des Staates zu verhindern .

Griechische Medien berichteten nun von ersten Details des Sparprogramms. Demnach müssen sich die Arbeitnehmer des Landes auf weitere drastische Einschnitte einstellen. Alle Löhne sollen in der Privatwirtschaft solange eingefroren werden, bis die Arbeitslosenquote von heute mehr als 19 Prozent auf 10 Prozent gefallen ist. Zudem solle der Mindestlohn um 22 Prozent auf 590 Euro gesenkt werden, für junge Leute unter 25 Jahren soll die Kürzung noch drastischer ausfallen. Schließlich sollen die Renten der als reich geltenden Rentenkassen von Banken sowie Telefon- und Elektrizitätsgesellschaft um 15 Prozent reduziert werden.

Die griechische Regierung bekräftigte auch ihre Absicht, dass 150.000 Staatsbedienstete bis 2015 gehen sollen. Bereits in diesem Jahr sollen 15.000 Angestellte des Staates entlassen werden.

Juncker beruft Euro-Gruppe ein

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker , berief für Donnerstagabend bereits eine Sitzung der Euro-Finanzminister ein. Juncker hatte die Sondersitzung bislang von den Ergebnissen der Gespräche in Athen abhängig gemacht. Nach Angaben von Diplomaten wollen die Euro-Finanzminister dann über das 130 Milliarden Euro umfassende nächste Hilfsprogramm für Griechenland entscheiden.

Der Bundestag könnte sich bereits an diesem Freitag mit einem Teil des neuen Griechenland-Hilfspakets befassen, wie es aus Koalitionskreisen hieß. Dabei würde das deutsche Parlament voraussichtlich nur über die 30 Milliarden Euro beraten, mit denen die Euro-Länder den privaten Gläubigern beim angestrebten Schuldenerlass für Griechenland entgegen kommen wollen . Voraussetzung ist aber unter anderem, dass sich die Parteien in Griechenland einigen und die Euro-Finanzminister das Hilfsprogramm beschließen.

Verhandlungen mit privaten Gläubigern

Das zweite Griechenland-Hilfspaket der EU umfasst insgesamt 130 Milliarden Euro, die vom gemeinsamen Euro-Rettungsfonds EFSF bereitgestellt werden. Davon entfallen aber 30 Milliarden Euro auf das Anreizprogramm, das die privaten Gläubiger zu einem freiwilligen Forderungsverzicht und Anleiheumtausch bewegen soll. Besitzer von griechischen Staatsanleihen können damit ihre alten Papiere in neue Anleihen tauschen.

Mit diesem Forderungsverzicht der privaten Gläubiger soll die Schuldenlast Griechenlands um 100 Milliarden Euro gesenkt werden. Diese Einigung ist ebenfalls Voraussetzung für das zweite Griechenland-Hilfspaket. Offen ist jedoch noch, ob alle Gläubiger sich darauf einlassen werden und die 100 Milliarden Euro wirklich zusammenkommen. Mit der Bewilligung der zunächst 30 Milliarden Euro aus dem EFSF würde die Umsetzung des Umtauschs zumindest erleichtert.

Griechenland erhält bereits seit Frühjahr 2010 internationale Finanzhilfe durch Kredite und Bürgschaften. Damals wurden dem Land als erstem in der Eurozone Darlehen über 110 Milliarden Euro zugesagt, die sich aber bald als unzureichend erwiesen. Würde die Regierung in Athen bis März keine weiteren Milliardenhilfen bekommen, wäre Griechenland pleite, denn am 20. März werden Staatsanleihen im Umfang von 14,5 Milliarden Euro fällig.