ZEIT ONLINE: Nicht nur in Irland wird der Fiskalpakt infrage gestellt, auch die Niederlande diskutieren eine Volksabstimmung, und Frankreich wird erst nach den Präsidentschaftswahlen Ende April den Vertrag ratifizieren. Sollte der Sozialist Francois Hollande gewinnen, will er den Pakt von Grund auf neu verhandeln. Wäre das Abkommen damit am Ende?

Fuest: Die Gefahr besteht. Von Grund auf neu verhandeln bedeutet, dass Hollande den Pakt insgesamt ablehnt. Der Fiskalpakt war jedoch von Anfang an ein politisches Signal, auch wenn er löchrig wie ein Käse ist. Ein Staat kann etwa einmalige Ausgaben ohne Verpflichtung zum Ausgleich tätigen, um nur ein Beispiel zu nennen. Das Signal sollte sein: Europa rückt enger zusammen, Europa wird zu einer Stabilitätsunion.

Wenn ein so wichtiges Land wie Frankreich den Pakt ablehnen sollte, dann muss man schon die Frage stellen: Wie soll es weitergehen mit Europa, mit der Europäischen Union?

ZEIT ONLINE: Was würde ein Scheitern des Fiskalpakts für Griechenland oder Portugal bedeuten?

Fuest: Die Folgen wären gravierend. Man müsste sich etwa fragen, ob man die bisherige Politik der Rettungsschirme so weiterführen kann oder nicht einen grundlegend anderen Weg einschlägt, der auch den Austritt von Euro-Ländern vorsieht. Die Debatten darüber wären sicher schwierig.

ZEIT ONLINE: In einer Umfrage Anfang Februar hat sich eine knappe Mehrheit von 40 Prozent der irischen Wähler für den Fiskalpakt ausgesprochen. Wagen Sie eine Prognose, wie die Iren abstimmen werden?

Fuest: Das ist schwer vorauszusehen, aber ich vermute, dass der Fiskalpakt eine Mehrheit finden wird. Die Zustimmung in den Umfragen zeigt, dass die irischen Wähler im Grunde verstehen, dass man in Europa einen gemeinsamen Weg gehen muss und es nicht klug ist, die anderen Länder zu verschrecken.

Am Ende wird das Ergebnis aber von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes abhängen. Wenn sich die Rezession verschärft, wächst vielleicht der Widerstand gegen Europa und den Fiskalpakt.