Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erleichtert auf die Sparbeschlüsse des griechischen Parlaments zur Bekämpfung der Schuldenkrise reagiert. "Diese Beschlüsse zeigen den Willen und die Bereitschaft der Griechen, große eigene Anstrengungen zu unternehmen, auch harte Einschnitte vorzunehmen, um ihr Land auf einen guten Weg zu führen", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert .

Für Merkel seien ein Staatsbankrott und ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone weiter kein Thema. "Wir wollen Griechenland innerhalb der Euro-Zone helfen", sagte Seibert. Die Kanzlerin werde sich an keinem Versuch beteiligen, Griechenland aus der Euro-Zone herauszuschieben. "Und dieses gilt", ergänzt er.

Das Parlament in Athen hatte in der Nacht zum Montag mit den Stimmen von 199 der insgesamt 300 Abgeordneten die drastischen Einschnitte gebilligt . Das Programm ist die Voraussetzung für weitere Hilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds. Ohne deren Kredite wäre der Euro-Staat in wenigen Wochen zahlungsunfähig.

Diese Maßnahmen seien nicht Sparen um des Sparens willen, sondern es gehe um Reformen in allen politischen Bereichen, sagte Seibert. Die starren Strukturen der griechischen Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sollten so verändert werden, dass produktive Kräfte freiwerden könnten. Schritt für Schritt solle das die finanziellen Spielräume zurückgewinnen, um Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum entstehen zu lassen.

"Wir werden die Sklaven der Deutschen sein"

Viele Bürger in Griechenland sehen das anders. Sie empfinden die Maßnahmen als demütigendes Diktat der deutschen Regierung. Der Ingenieur Andréas Margoudakis gab am Rand der Proteste in Athen die Stimmung wider. "Es ist nicht leicht, unter solchen Bedingungen zu leben. Bis 2020 werden wir die Sklaven der Deutschen sein", sagte Margoudakis.

An die Fassade der griechischen Zentralbank hatte vor einigen Tagen jemand "Bank of Berlin " geschrieben, während bei dem Generalstreik vergangene Woche mehrere deutsche Fahnen verbrannt wurden. "Die internationale Gemeinschaft erpresst uns", sagte die Bauingenieurin Anastasia Papadaki. "Das Problem ist, dass die Maßnahmen die Krise nicht lösen, da sie das Wachstum nicht wieder in Gang bringen."

Die EU-Kommission dagegen begrüßte die Entscheidung des griechischen Parlaments. Das Ergebnis sei Ausdruck des Willens zur Verbesserung der Finanzlage und Wettbewerbsfähigkeit des Landes, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn . Zugleich verurteilte er die Ausschreitungen bei den Protesten gegen das Sparpaket , bei denen am Sonntag in Athen Dutzende Häuser zerstört wurden.

AthenerRegierung plant Neuwahlen im April

Die griechische Übergangsregierung geht davon aus, dass wie geplant Neuwahlen im April stattfinden können. Die Regierung werde bis Ende März ihre Arbeit getan haben, sagte Regierungssprecher Pantelis Kapsis. "Die nächsten drei Wochen werden teuflisch sein", sagte er zugleich mit Blick auf weitere Abstimmungen im Parlament zur Umsetzung des Sparpakets.

Nach dem Rücktritt mehrerer Minister in der vergangenen Woche und dem Ausscheren der rechtsgerichteten Laos-Partei aus der Drei-Parteien-Regierung von Ministerpräsident Lucas Papademos schloss Kapsis eine große Kabinettsumbildung aus. Ein solcher Schritt werde allenfalls geringen Umfangs sein. Athener Medien hatten in der vergangenen Woche über eine mögliche Umbildung spekuliert – bis hin zur Bildung einer Expertenregierung ähnlich wie der in Italien .

Parallel zum Sparvotum einigte sich Griechenland mit seinen privaten Gläubigern offenbar über deren Beitrag zur Rettung des Landes. Die Einigung solle nach dem Treffen der Euro-Gruppe am Mittwoch verkündet werden, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen. Dies gelte unter der Annahme, dass es keine überraschenden Rückschläge mehr gebe. Im Rahmen des Schuldenerlasses müssen die Gläubiger vermutlich auf etwa 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten.