Für gute Daten ist Claudia Buch kein Weg zu weit. Immer wieder ist sie in den 1990er Jahren nach Osteuropa gereist: Prag , Warschau , Budapest , Tallinn . Die Archive der Notenbanken waren stets ihr Ziel. Nur dort hatte sie Zugriff auf die detaillierten Statistiken zur Lage der Banken, die sie so dringend für ihre Forschung brauchte. Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersuchte die junge Ökonomin, was passiert, wenn Bankensysteme vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Ein ziemlich mühsames Forschungsprojekt, denn elektronisch verfügbar waren die Statistiken damals nicht. "Wir haben in den Zentralbanken lediglich Ausdrucke von Zahlenreihen in die Hand gedrückt bekommen", erinnert sich Buch.

Buch gehört zu einer neuen Generation von Wirtschaftswissenschaftlern, die wenig von ordnungspolitischen Grundsatzdiskussionen und wirtschaftspolitischer Prinzipienreiterei halten. An Forschungsfragen geht sie pragmatisch und ohne Vorurteile heran. Das, was die Daten sagen, ist für ihr Urteil entscheidend. "Ich forsche ergebnisoffen", sagt sie selbst. 

Buch war nie politisch aktiv

Alte Weggefährten bestätigen das: "Claudia Buch ist nicht auf der Suche nach einer Wahrheit, die die Welt erklärt", sagt Holger Schmieding. Der heutige Chefökonom der Berenberg Bank stellte Buch 1992 beim Kieler Institut für Weltwirtschaft ein. Nicht nur ihre fachlichen Kenntnisse hätten ihn überzeugt. "Beeindruckt hat mich auch ihre offene Art, wissenschaftliche Diskussionen zu führen."

Buch selbst war und ist politisch nicht aktiv, einer Partei gehörte sie nie an. Auch wirtschaftspolitisch will sie sich in keine Schublade stecken lassen. Keynesianismus? Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik? "Das greift mir zu kurz", sagt sie, "das ist schwarz-weiß." All das bedeutet nicht, dass die Ökonomin klare Aussagen und radikale Thesen scheut – sie müssen nur solide begründet sein.

So pocht sie zum Beispiel seit Jahren darauf, dass der Staat der Finanzbranche deutlich kritischer auf die Finger schauen soll – und die Banken zwingen, höhere Eigenkapitalpuffer aufzubauen. In einer Reihe von Arbeiten hat sie festgestellt: Deregulierung der Banken ist keine Garantie für makroökonomische Stabilität – der Staat kann sich nicht darauf verlassen, dass ein entfesseltes Finanzsystem per se stabil funktioniert. Buch hat das schon lange Jahre vor Ausbruch der Finanzkrise propagiert – zu einer Zeit, als der Mainstream in der Volkswirtschaftslehre noch der Meinung war, der Finanzsektor funktioniere effizient und sich daher gar nicht die Mühe machte, Banken in Modellen abzubilden.