Heiko Bartz – Weckruf vom Jobcenter

Heiko Bartz' Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit beginnt auf dem Gymnasium, in der siebten Klasse. Er hat keinen Bock mehr aufs Lernen, zwei Mal bleibt er sitzen. Muss auf die Hauptschule wechseln, die ihn unterfordert. Schafft den Realschulabschluss, schmeißt dann aber nacheinander zwei Ausbildungen im Einzelhandel hin. Heiko Bartz ist gerade volljährig, da ist er auch schon arbeitslos.

Bartz schreibt Bewerbungen, auf die er keine Antworten bekommt. Irgendwann schreibt er keine mehr. Seine Eltern hören auf, ihn zu unterstützen, er macht Schulden, 6.000 Euro, viel Geld für einen arbeitslosen Jugendlichen. Er weiß nichts mit sich anzufangen, spielt tagsüber Playstation, zieht mit Freunden durch Siegburg, trinkt Bier und kifft. Die falschen Freunde waren das, sagt er heute. Die, die gut für ihn gewesen wären – die hatten Arbeit und wenig Zeit.

Heute, knapp sieben Jahre später, schließt Heiko Bartz die Tür zu seinem Arbeitsplatz auf wie jeden Tag, ein kräftiger 25-Jähriger im Hard-Rock-Café-T-Shirt; er betritt ein Geschäft voller Schlösser, Schlüssel, Briefkästen und Tresore. Am Handy berichtet Bartz seinem Chef vom Termin bei einem Kunden: "Er wollte die Zwei-Meter-Erhöhung, wir haben ihm gesagt, wir machen noch 'n Zentimeter drauf." Heiko Bartz ist technischer Berater und Verkäufer bei einer Sicherheitsfirma. Er ist oft allein im Laden, er fährt auch oft allein zu Kunden. Sein Chef vertraut ihm.

Mehr als nur eine Akte

Bartz hat die Kurve gekriegt – nach einem Glücksfall. Der heißt Sabine Schultz und ist seine dritte oder vierte Betreuerin im Jobcenter. Schultz sieht in dem jungen Mann mehr als ihre Vorgängerinnen, sie sieht mehr als seine Akte, sie sieht Potenzial. Bartz sagt: "Bei ihr hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich nicht irgendso 'n Penner bin." Schultz investiert viel Zeit in Heiko Bartz, sie spricht mindestens einmal in der Woche mit ihm. Einmal fährt sie bei ihm vorbei und klingelt ihn aus dem Bett, als er nicht zum Termin im Jobcenter erscheint.

Sie verschafft ihm eine Lehrstelle bei einem Schuhmacher. Mit dem Schuhmachen hat Bartz damals nichts am Hut, er findet aber schnell Gefallen an der Arbeit: Die Mischung aus Handwerk und Kundenkontakt liegt ihm, er versteht sich mit seinem Chef. Zwar ist der Betrieb zu klein, um einen Gesellen zu haben, aber sein Chef kennt den Chef der Sicherheitsfirma – und vermittelt Bartz weiter. Schlüsselservice hat er in der Lehre schon gelernt, zusätzlich besucht er jetzt Schulungen und Seminare, etwa Sicherheits- und Verkaufstechnik. Er arbeitet auf die Prüfung zum Alarmanlagentechniker hin.

Heiko Bartz weiß, dass er Glück gehabt hat. Glück braucht man auch als Arbeitsloser, sagt er. Wer einmal unten sei, der komme schwer wieder hoch. Jobcenter-Mitarbeiterin Schultz ist stolz auf Bartz, auf ihren Erfolg. "So etwas kommt leider relativ selten vor", sagt sie. "Gemessen an der Vielzahl, die wir betreuen, sind solche Erfolgsgeschichten Einzelfälle."