Ernster Blick, mahnende Worte und – im Spaß – auch schon einmal ein Würgegriff für den spanischen Finanzminister. So erlebt die Öffentlichkeit in diesen Tagen Mister Euro, Jean-Claude Juncker . Wenn der Chef der Euro-Gruppe in ein Mikrofon spricht, ist das Ergebnis meist ein Appell an Griechenland , etwa nach der Freigabe des zweiten Rettungspaketes vorige Woche. "Dieses zweite Programm ist eine einmalige Gelegenheit für Griechenland , die nicht vergeben werden sollte", sagt er dann. Juncker , der Musterknabe verschweigt aber etwas.

Seine luxemburgische Regierung wird gerade zum großen Blockierer eines künftigen EU-Zinssteuerabkommens mit der Schweiz . Es könnte vor allem Griechenland helfen, Steuerschulden einzutreiben, die griechische Vermögende in die Alpen geschafft haben. "Stärkere Instrumente der EU zur Steuerhinterziehung helfen Griechenland natürlich. Rund acht Milliarden Euro Einnahmen verliert Griechenland jährlich wegen Steuerhinterziehung, da müssen wir jede mögliche Maßnahme ausschöpfen", sagt EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta ZEIT ONLINE.

Steuerkommissar Šemeta erhöht den Druck

Beim jüngsten Treffen der Finanzminister wollten Luxemburg und Österreich jedoch nicht darüber sprechen, der Kommission ein Mandat für Verhandlungen mit der Schweiz zu erteilen. Angeblich, so ist aus Verhandlungskreisen zu hören, war der strittige Punkt zu spät auf der Tagesordnung.

Tatsächlich stehen Luxemburgs Banken im scharfen Wettbewerb mit Schweizer Instituten, sagt ein Diplomat, der die Finanzministertreffen begleitet. Er beschreibt die hinter vorgehaltener Hand vorgetragenen Positionen so: Mehr Transparenz könne den Ruf des Schweizer Finanzplatzes stärken. Das sei die Sorge der Luxemburger. Österreich wiederum steht schon rein geografisch im Wettbewerb mit den Schweizer Banken. Jede Negativschlagzeile über das Schweizer Bankgeheimnis nütze den Wiener Häusern.

Der Steuerkommissar erhöht nun den Druck: "Wenn Sie sich die derzeitige ökonomische Lage vor Augen führen und darüber nachdenken, wie wichtig für die Mitgliedsstaaten einen effektive Steuererhebung ist, um ihren Haushalt zu konsolidieren dann weiß ich nicht, wie Österreich und Luxemburg ihre Blockade aufrecht erhalten wollen." Er wolle weiter eng mit der dänischen Ratspräsidentschaft zusammenarbeiten und erwarte deutliche Fortschritte bis Ende Juni.