Von der Stadt bis zum Feld sind es nur wenige Kilometer. Der blaue Geländewagen mit der kleinen Ladefläche holpert über schlecht geteerte Landstraßen. In der Ferne sind die verschneiten Gipfel der Bergkette Falakro zu sehen. Mitte März ist es noch kalt im Norden Griechenlands. "Das ist das ideale Klima für die Pflanzen", sagt Nikolaos Papoutsis.

Der Wagen hält vor einem Gittertor. Papoutsis, 56, steigt aus und setzt sich eine zerschlissene Mütze auf. In der Ebene um die Stadt Drama liegt einer seiner Äcker, knapp 40.000 Quadratmeter, so groß wie mehrere Fußballfelder.

Blaubeeren aus Russland

In langen Reihen ragen kniehohe Sträucher aus der Erde. An diesen Büschen wachsen im Sommer Blaubeeren. Sie sehen aus wie wilde Heidelbeeren, die auch in Deutschland gedeihen. "Unsere Jungpflanzen stammen aus Russland und werden seit vielen Jahren kultiviert", sagt Papoutsis.

In Griechenland war der Anbau dieser Frucht bisher vollkommen unüblich. Nach der Ernte wird hier aus den vielen Tonnen Blaubeeren zuckerfreier Saft oder Marmelade. Doch das ist noch nicht das Entscheidende.

Das Besondere ist vor allem, dass Papoutsis vor einigen Monaten eine bäuerliche Kooperative gegründet hat, eine Erzeugergemeinschaft. Acht Mitglieder haben sich dieser Gruppe angeschlossen. In der Wirtschaftskrise bieten solche Gemeinschaften arbeitslosen Menschen eine neue Chance.

Renaissance bäuerlicher Kooperativen

Bäuerliche Kooperativen haben in Griechenland eine lange Tradition, doch im Zuge üppiger Agrarsubventionen der Europäischen Union waren sie in Vergessenheit geraten. Nun erleben sie eine kleine Renaissance.

Mit einer Agraroffensive will die Regierung in Athen vor allem junge Menschen wieder für die Landwirtschaft gewinnen – Junge Landwirte heißt das Programm. Nach Angaben des Agrarministeriums sind 6.500 Anträge für die Bereitstellung von staatlichem Ackerland vor allem aus den Städten des Landes eingegangen. Wer zugelassen wird, soll im Monat fünf Euro Pacht zahlen pro Stremma – die griechische Maßeinheit für 1.000 Quadratmeter Land. Laut Ministerium stehen aus staatlichem Besitz etwa 1,2 Millionen Stremmata für das Programm bereit.