Der Schuldenschnitt ist so gut wie sicher , das zweite Rettungspaket für Griechenland beschlossen. Wer wünscht sich nicht, die Hängepartie möge damit beendet sein, das Land endgültig vor dem Absturz gerettet?

Es wird ein frommer Wunsch bleiben, soviel ist jetzt schon klar. Vorerst mag die Ansteckungsgefahr für andere Euro-Länder durch den Verzicht der privaten Gläubiger gebannt worden sein. Doch die Rettung und der Wiederaufbau des Landes haben gerade erst begonnen.

Allein die Politiker verhalten sich, als sei dem nicht so. Ihre Unaufrichtigkeit ist der Kardinalfehler der europäischen Rettungspolitik. Griechenland ist ein Schwellenland, dessen marodes Wirtschafts- und Verwaltungssystem vor Ausbruch der Krise über Jahre mit billigen Krediten künstlich am Leben erhalten wurde. Nun ist dieses fragile Konstrukt zusammengebrochen.

Griechenland braucht noch mehr Hilfe

Die Fehler der vergangenen Jahrzehnte werden nicht durch einen Schuldenschnitt und wenige Jahre Spar- und Reformpolitik zu beheben sein. Dennoch scheint die Politik genau das den Bürgern weiß machen zu wollen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) will lediglich "keine Garantie geben", dass die Rettung Griechenlands nicht noch mehr Geld kostet. Es sei zu früh, darüber zu spekulieren, sagt er. Dabei geht die Troika bereits jetzt davon aus, dass Griechenland zwischen 2015 und 2020, nachdem das zweite Hilfspaket ausgelaufen ist, weitere 50 Milliarden Euro an Hilfe brauchen könnte. Die entsprechende Passage im jüngsten Bericht der Experten soll jedoch auf Druck der Bundesregierung gestrichen worden sein.

Im Moment lassen die Sparorgien in Griechenland das Land immer tiefer in die Krise rutschen. Allein im vierten Quartal 2011 ist die griechische Wirtschaft um 7,1 Prozent geschrumpft. Das Haushaltsloch wird auch im laufenden Jahr höher ausfallen als prognostiziert.

Vielleicht braucht es einen zweiten Schuldenschnitt

Um wie geplant den Schuldenstand Griechenlands bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken, muss die griechische Wirtschaft bereits 2014 wieder kräftig wachsen. So steht es in der vertraulichen Schuldenanalyse der Troika. Angesichts der sich immer noch verschärfenden Rezession in Griechenland ist das eine sehr optimistische Prognose.

All das wissen die Bundesregierung und die EU-Kommission . Nur sie sprechen nicht aus, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. So schafft man kein Vertrauen in die europäische Rettungsstrategie. Ehrlicher wäre, den Bürger klar zu sagen: Wir werden Griechenland noch sehr viele Jahre stützen müssen. Weitere Rettungspakete sind höchstwahrscheinlich notwendig.

Austritt keine Alternative

Der griechische Staat muss neu aufgebaut werden ; dafür ist Geld und Expertise nötig, aber vor allem viel Geduld. Griechenland hat in den vergangenen zwei Jahren schon einiges erreicht. Unter dem Druck der Krise hat das Land sich so stark reformiert, wie kein anderes OECD-Land . Das muss man honorieren. Zugleich ist die Hilfe für Europa verkraftbar, denn die Wirtschaftsleistung Griechenlands entspricht nur einem Bruchteil der gesamten Euro-Zone. Und dass Griechenland den Euro aufgibt, ist keine wirkliche Alternative: Die Kosten eines solchen Schrittes wären für Europa, aber auch für Griechenland viel höher als der Nutzen.

So ist die Lage in Griechenland. Den Brüsseler und Berliner Politikern fehlt offenbar der Mut, das den Bürgern ehrlich zu sagen.