Wann kommen die fetten Jahre für Deutschland? Jetzt, ist die derzeit gängige Antwort. Allerorten, insbesondere unter den professionellen Prognostikern, herrscht überwiegend Optimismus. Die Wachstumsaussichten werden fast täglich nach oben revidiert, und man preist die Stärke der deutschen Wirtschaft. Der Pessimismus vom vergangenen Sommer und Herbst, als Rezessionsbefürchtungen aufkeimten, ist passé.

Stattdessen erstrahlt die Zukunft Deutschlands in vielen Augen in rosa-rotem Licht. Doch die Optimisten vergessen eines: Ihr Freudenfest findet vor der Kulisse einer möglicherweise zerfallenden Währungsunion statt.

Dabei spricht auf den ersten Blick eine ganze Reihe von Argumenten für eine anhaltend positive Entwicklung in Deutschland. Bereits die vergangenen beiden Jahre waren durch ein auch im internationalen Vergleich überaus kräftiges Wachstum von drei Prozent und mehr gekennzeichnet. Damit lag Deutschland mit an der Spitze der Euro-Zone – ein vor wenigen Jahren noch von vielen Kritikern vermeintlicher deutscher Strukturprobleme für unmöglich gehaltenes Ergebnis. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt ist die positive Entwicklung sichtbar, die Arbeitslosigkeit ist auf ein Niveau gesunken, das es zuletzt vor über zwanzig Jahren gegeben hat.  

Die Löhne steigen mittlerweile wieder deutlicher, ein Prozess, der sich in den laufenden Tarifverhandlungen fortsetzen dürfte. Dies führt zu höheren Haushaltseinkommen und zu mehr privatem Konsum. Die niedrigen Zinsen verstärken diesen Prozess und führen zudem noch zu mehr Investitionen. All dies wird noch befeuert von den Exporterfolgen der deutschen Industrie, vor allem in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. Dieses Bündel vielversprechender Tendenzen sollte nach Ansicht vieler in einen langen Wachstumsprozess münden, der den allgemeinen Wohlstand in Deutschland merklich steigert. Also, doch alles gut?

Es mag verständlich sein, dass man sich über die Unbill der Gegenwart durch leuchtende Zukunftsaussichten hinwegtröstet. Realistisch ist das nicht. Blickt man auf die aktuelle Lage in der Euro-Zone, kann man die Augen vor einigen Risiken nicht verschließen, die das künftige Wachstum in ganz Europa und damit auch in Deutschland erheblich belasten können.