Kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist haben die USA ihren Kandidaten für den Chefposten der Weltbank nominiert. Präsident Barack Obama präsentierte nach Angaben aus Regierungskreisen den Universitätsrektor Jim Yong Kim als Kandidaten für die Nachfolge von Robert Zoellick .

Zoellick tritt Ende Juni nach fünf Jahren an der Spitze der internationalen Finanzinstitution ab. Obama wollte seine Entscheidung den Angaben zufolge im Laufe des Freitags offiziell bekanntgeben, hieß es.

Kim steht derzeit an der Spitze der US-Eliteuniversität Dartmouth College. Geboren wurde er 1959 in Südkorea, wuchs jedoch in den Vereinigten Staaten auf und ist US-Bürger. Internationale Erfahrung sammelte der Mediziner als Direktor für Aids-Bekämpfung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Entwicklungsländer melden Führungsanspruch an

Die Nominierung des weitgehend unbekannten Akademikers gilt zwar als Überraschung, seine Wahl ist aber sehr wahrscheinlich. Seit Gründung der Weltbank nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA dort den Chefsessel inne. Bislang gilt die ungeschriebene Regel, dass die Weltbank von einem Amerikaner und der Internationale Währungsfonds ( IWF ) von einem Europäer geführt wird. In der Weltbank haben die USA den größten Stimmenanteil und können sich der Rückendeckung durch Japan und die Europäer sicher sein. "Wir akzeptieren das Vorschlagsrecht der Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel ( FDP ).

Zuvor hatten hochkarätige US-Politiker wie Außenministerin Hillary Clinton und der einflussreiche Senator John Kerry, die für den Posten gehandelt worden waren, kein Interesse bekundet. Auch über eine Nominierung der US-Botschafterin bei den UN, Susan Rice , war spekuliert worden.

Die Bewerbungsfrist für den Job bei der in Washington ansässigen Weltbank läuft am Freitag um 18.00 Uhr (Ortszeit, 23.00 Uhr MEZ) ab. Neben den USA haben auch Entwicklungsländer ihren Führungsanspruch deutlich gemacht. So gelten die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala und der frühere kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo als Favoriten der afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten. Auch der US-Ökonom Jeffrey Sachs hatte Interesse bekundet, allerdings ohne offizielle Rückendeckung aus Washington. Den Entwicklungsökonom der Columbia-Universität unterstützen laut Süddeutscher Zeitung zurzeit lediglich Bhutan, Kenia , Malaysia und kleinere Entwicklungsländer.