China hat einen Industrieverband für sogenannte seltene Erden gegründet, um den strategisch wichtigen Rohstoffsektor stärker kontrollieren zu können. Die neue Vereinigung soll "vernünftige" Preismechanismen festlegen, die Beziehungen zwischen Produzenten und Kunden pflegen und sich internationaler Handelsstreitigkeiten annehmen, wie amtliche Medien berichteten. Ziel sei eine "gesunde Entwicklung" des Sektors und die Förderung des Umweltschutzes, erklärte das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie.

Als seltene Erden werden 17 chemische Elemente bezeichnet, die für die Industrie wertvolle Eigenschaften besitzen. Sie werden benötigt, um Computer, Mobiltelefone, Batterien oder Flachbildschirme zu fertigen. Sie kommen auch in Windanlagen, Raketen, Elektroautos und vielen weiteren Gütern zum Einsatz. Auf China entfallen mehr als 90 Prozent der Förderung weltweit. Es besitzt aber nur ein Drittel der Vorkommen.

In dem am Sonntag gegründeten Verband schlossen sich 155 Mitglieder zusammen, darunter der Rohstoffriese China MinMetals und der Aluminiumproduzent Chalco, wie das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie weiter mitteilte.

Handelspartner kritisieren geringe Ausfuhrquoten

Ihre Handelspartner werfen der Volksrepublik vor, ihre Vormachtstellung bei den seltenen Erden auszunutzen. Sie bemängeln vor allem die geringe Ausfuhrquote, die seltene Erden teuer macht. Für dieses Jahr wurde eine Exportquote von 30.000 Tonnen festgelegt; sie liegt damit etwa auf dem Vorjahresniveau. Um überhaupt Zugang zu seltenen Erden zu bekommen, sehen sich viele ausländische Unternehmen in dem Sektor gezwungen, sich in China anzusiedeln.

Mitte März reichten die EU, die USA und Japan Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf ein , um China dazu zu zwingen, mehr der seltenen Erden zu exportieren. Peking verteidigte seine Exportbeschränkungen mit dem Verweis auf Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung.

Viele Länder sehen sich angesichts der chinesischen Vormachtstellung nach Alternativen um: Während eines Besuches von Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) in der Mongolei wurde im vergangenen Herbst ein Rohstoffabkommen geschlossen, das eine Beteiligung Deutschlands an der dortigen Erschließung seltener Erden vorsieht. Anfang Februar unterzeichneten Deutschland und Kasachstan ebenfalls ein Rohstoffabkommen.