Die 17 Länder der Euro-Zone haben ihr öffentliches Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr leicht verringert. Das teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat mit. Im Jahresvergleich sank das Defizit demnach von 6,2 auf 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der gesamte Schuldenstand der Euro-Staaten wuchs jedoch weiter an und legte von 85,3 Prozent auf 87,2 Prozent zu.

Die niedrigsten Defizitquoten meldeten Finnland (0,5 Prozent), Luxemburg (0,6) und Deutschland (1,0). Beim Schuldenstand stehen Estland (6,0 Prozent) und Luxemburg (18,2) am besten da. Am ungünstigsten ist die Schuldenlage in Griechenland (165,3 Prozent), Italien (120,1) und Irland (108,2). Nach dem europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt darf der Schuldenstand höchstens 60 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

Griechenlands Finanzlage hat sich den Angaben zufolge im vergangenen Jahr zwar etwas gebessert, zeigt aber weiter ein großes Defizit. Der Fehlbetrag im Staatshaushalt belief sich 2011 auf 9,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt – das war etwas weniger als die 10,3 Prozent im Vorjahr.

Spanien gilt als neues Sorgenkind der Euro-Zone: Die wirtschaftlichen Aussichten sehen düster aus , die Wirtschaft stürzte zu Jahresbeginn in die Rezession. Im ersten Quartal ist die Wirtschaftsleistung nach Angaben der Spanischen Zentralbank um 0,4 Prozent geschrumpft. Im vierten Quartal 2011 waren es bereits 0,3 Prozent. Das Sparen wird für die Regierung deshalb noch schwerer. Mit einem Fehlbetrag im Staatshaushalt von 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung ist Spanien im vergangenen Jahr auf Platz drei der größten Haushaltssünder aufgerückt.

Zweifel an gemeldeten Zahlen

Die Statistiker bestätigten damit Angaben der Regierung in Madrid , die in der Europäischen Union Zweifel ausgelöst hatten. So gab es Vermutungen, die Regierung habe das Minus extra hoch angesetzt, damit die Zahlen aus dem laufenden Jahr besser aussehen. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Zahlen: "Es gibt keinen Anlass für Zweifel daran." Eurostat habe die zuletzt gemeldeten Zahlen bestätigt. Brüssel vertraue auf die Zuverlässigkeit des spanischen Statistikamtes und gehe davon aus, dass die spanische Regierung für Klarheit sorge.

Im Euroland weisen nur Irland (13,1 Prozent) und Griechenland (9,1 Prozent) noch höhere Fehlbeträge im Staatshaushalt auf als Spanien. Beide Länder wurden bereits mit milliardenschweren Hilfsprogrammen vor der Staatspleite bewahrt. Erlaubt sind höchstens 3 Prozent. Deutschland gehört mit einem Minus von 1,0 Prozent zu den Musterschülern der Euro-Zone.

Bei Irland haben die Statistiker Zweifel an den gemeldeten Zahlen. Eurostat äußerte einen Vorbehalt, da die Umstrukturierung der Banken Allied Irish Banks und Irish Life & Permanent bisher nicht abgeschlossen sei. Die Verbuchung und die Auswirkungen dieser Aktionen auf das Defizit seien noch unklar.