Frage: Herr Gützkow, was genau ist auf Ihrer Plattform Elgin in der Nordsee passiert?

Hans-Christian Gützkow: Bei Arbeiten an einem stillgelegten Gasbohrloch ist es vor einer Woche zu einem Zwischenfall gekommen. Seither tritt auf der Förderplattform Gas aus. Die Verantwortlichen vor Ort haben zunächst die 238 Arbeiter evakuiert. Es war und bleibt absolute Priorität, keine Menschenleben zu gefährden. Außerdem wurden alle Anlagen von Elgin heruntergefahren.

Frage: Warum brannte die Fackel dort weiter?

Gützkow: Um Restmengen an Gas und Kondensat aus den Leitungen der Anlage kontrolliert entweichen zu lassen. Dies ist mittlerweile geschehen, die Fackel ist erloschen. Damit bestehen bessere Rahmenbedingungen zum Verschluss des Lecks.

Frage: Was sind die nächsten Schritte?

Gützkow: Total hat internationale Experten und Material in der Region zusammengezogen, um die Lage in den Griff zu bekommen. Wir warten derzeit auf die Genehmigung der britischen Behörden, damit in ein paar Tagen die Arbeiten zur Versiegelung des Lecks beginnen können. Gerade in der Nordsee, wo die weltweit strengsten Kontrollen herrschen, müssen alle Schritte mit den Behörden abgestimmt werden. Und wir stehen genauso gegenüber der Öffentlichkeit in der Pflicht zur Transparenz.

Frage: Hierzulande stehen Sie und ihre Konkurrenten auch wegen wenig transparenter Spritpreis-Politik in der Kritik.

Gützkow: Dieser Vorwurf kommt immer vor Ostern, Pfingsten, Weihnachten und zu Ferienzeiten generell. Da ist die Öffentlichkeit extrem sensibel und jede Preisbewegung wird kritisch beäugt. Die täglichen Preisveränderungen und -sprünge erklären sich vor allem durch den täglichen Wettbewerb unter den Tankstellen. Dazu die internationale Sicherheitslage in Ölförderländern und Währungsdifferenzen zwischen Euro und Dollar. Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich die Preise an der Börse in Rotterdam.

Frage: Märkte und Krisen gab es schon immer. Erst seit einem Jahr aber registriert man eine bisher nie da gewesene Volatilität, Sprünge um weit über zehn Cent. Warum?

Gützkow: Weil Deutschland einer der umkämpftesten Märkte überhaupt ist. Hier konkurrieren unabhängige mit regionalen und überregional aufgestellten Tankstellenbetreibern. Dieser harte Wettbewerb führt dazu, dass wir hierzulande nur sehr niedrige Margen machen und wir die Preise im Kampf um die Kunden mehrfach am Tag ändern müssen.

Frage: Plötzlich um zwölf Cent je Liter?

Gützkow: Solche Sprünge gibt es, aber selten. Sie sind auch ein Zeichen dafür, dass eine Tankstelle mit ihrem Preis zuvor offenbar gar kein Geld verdient hat.

Frage: Aber 25 Änderungen die Woche? Das ist doch eine Verwirrungstaktik.

Gützkow: Der deutsche Markt ist sehr sensibel. Schon für ein bis zwei Cent Differenz nehmen deutsche Autofahrer einen Umweg zur nächsten Tankstelle in Kauf. Senkt eine Tankstelle den Preis, um sich kurzfristig einen Vorteil zu verschaffen, zieht natürlich die Konkurrenz mit ihren Preisen nach und es setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die irgendwann wieder zu einer Preiserhöhung führen muss.