Dass sich in Nordrhein-Westfalen alles ums Geld dreht, lässt sich in diesen Tagen bereits an den Wahlslogans der Parteien erkennen. " NRW hat die Wahl: Schuldenstaat oder Zukunft für unsere Kinder", heißt es auf den Plakaten der CDU , und: "Verantwortung statt Verschuldung". Die FDP wirbt trotzig: "Lieber neue Wahl als neue Schulden".

Die Haushaltslage hat sich zur Gretchenfrage der Landespolitik in Nordrhein-Westfalen entwickelt: Sie bestimmt den Wahlkampf, an ihr scheiterte vor wenigen Wochen die rot-grüne Minderheitsregierung. Über 131 Milliarden Euro Schulden hat das Bundesland mittlerweile angehäuft. Drei Milliarden Euro kamen allein im vergangenen Jahr hinzu, mehr als in jedem anderen Bundesland. Viereinhalb Milliarden muss Nordrhein-Westfalen allein jedes Jahr für die Zinsen aufbringen, mehr als elf Cent von jedem eingenommenen Steuer-Euro.

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Hat Nordrhein-Westfalen über den Länderfinanzausgleich früher Geld an ärmere Länder gezahlt, wurde es 2008 erstmals seit 1995 wieder selbst zum Hilfeempfänger. 2011 bekam Düsseldorf über 260 Millionen Euro aus den reicheren Teilen Deutschlands. Und den Haushalt für 2010 erklärte das Bundesverfassungsgericht gar komplett für ungültig, weil die Regierung mehr Schulden aufnehmen wollte, als sie an Geld ins eigene Land investierte. Das verbietet die Landesverfassung.

Wie konnte es soweit kommen? Ist Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ( SPD ) tatsächlich die verantwortliche "Schuldenkönigin" , wie die Opposition gerne behauptet? Hat die Landespolitik versagt, oder ist es der schmerzhafte Strukturwandel im Ruhrgebiet, der die Löcher in den Haushalt reißt? Die Antwort ist einfach: von allem ein bisschen.

"Nordrhein-Westfalen lebt seit vielen Jahren über seine Verhältnisse, unabhängig von der jeweiligen Regierung", sagt Gisela Färber von der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Sie war eine der Gutachterinnen für den Landeshaushalt 2012.

Nach Einschätzung der Expertin kommen im bevölkerungsreichsten Bundesland mehrere Dinge zusammen: Da ist der noch immer andauernde Strukturwandel. "Die industrielle Infrastruktur muss über viele, viele Jahre mit viel Geld umgebaut werden", sagt Färber. Noch immer sind in der ehemaligen Schwerindustrie-Hochburg, dem Ruhrgebiet, fast doppelt so viele Menschen arbeitslos wie im bundesweiten Durchschnitt.

Trotzdem ist Nordrhein-Westfalen kein wirtschaftsschwaches Land. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, also dem, was jeder Bürger im Schnitt erwirtschaftet, liegt es deutschlandweit gar auf Platz fünf. Trotzdem hat jede Landesregierung seit 1973 die Schulden immer weiter erhöht. Selbst die schwarz-gelbe Koalition unter Jürgen Rüttgers , die 2008 über Rekordeinnahmen von über 50 Milliarden verfügte, machte dann noch über eine Milliarde zusätzliche Schulden.

Gut zu erkennen sind die mangelnden Sparbemühungen am Personaletat des Landes: Für die Gehälter der Lehrer, Polizisten und Co. gehen fast 40 Prozent aller Einnahmen drauf. Das sind, so Färber, "rund 25 Prozent mehr, als das Land sich eigentlich langfristig leisten könnte." Dennoch hat weder die Regierung Rüttgers noch die Regierung Kraft Stellen abgebaut.