Doch mit einem Aufschub allein wird es nicht getan sein. Die Ökonomen Klaus Schrader und Claus Friedrich Laase r haben das Problem kürzlich in Zahlen beschrieben: Portugal benötige ein kräftiges Wirtschaftswachstum und Haushaltsüberschüsse von zehn Prozent, Zinszahlungen eingerechnet, wolle es seine Schulden zumindest auf dem gegenwärtigen Niveau halten. "Höchste Priorität auf der portugiesischen Reformagenda sollte daher die Förderung wettbewerbsfähiger Beschäftigung haben", fordern die beiden Forscher. "Die portugiesische Politik muss wieder an die Aufbruchphase in den achtziger Jahren nach dem EU-Beitritt anknüpfen."

Damals war Portugal für die übrigen EU-Partner so etwas wie ein Angst-Standort. Auf Grund der Lohnkostenvorteile wurden vor allem arbeitsintensive Produktionen aus Westeuropa an den Rand des Kontinents verlagert. Portugal weist deshalb nach wie vor eine breitere industrielle Basis als Griechenland auf. Doch inzwischen kamen die mittel- und osteuropäischen Länder ins Spiel sowie die asiatischen Wettbewerber. "Es wurde versäumt, den Standort für Produktionen attraktiv zu machen, die nicht nur auf billige Arbeitskräfte setzen, sondern vielmehr Fachkräfte für höherwertige, humankapitalintensive Produkte benötigen", monieren Schrader und Laaser. Nur durch eine Behebung dieses Mangels könnten die Exporte wieder steigen und Portugal auf Wachstumskurs kommen.

Derzeit suchen gut ausgebildete, junge Portugiesen wegen der fehlenden Perspektive daheim Arbeit im Ausland. In der ehemaligen Kolonie Angola, im wachstumsstarken BRIC-Staat Brasilien, aber auch im vom Fachkräftemangel geplagten Deutschland. Rund 150.000 Arbeitskräfte verließen voriges Jahr Portugal. Für das Gros der Arbeitslosen mit geringer Ausbildung schlagen die Ökonomen aus Kiel staatlich finanzierte Qualifizierungsvorsucher vor. Finanziert werden sollten sie durch Einsparungen beim Arbeitslosengeld.

Immerhin nahmen im ersten Quartal 2012 die Ausfuhren aus Portugal um zehn Prozent zu. Das seien gute Nachrichten, meint Chef-Volkswirt Pascoal. In ruhigeres Fahrwasser werde die Wirtschaft aber frühestens im Herbst gelangen. Wie die Finanzmärkte auf die Wirtschaftsdaten reagierten, sei dann eine ganz andere Frage. "Die Rückendeckung von anderen EU-Mitgliedsstaaten ist wichtig, um Spekulationen über unsere Finanzierungsmöglichkeiten vom Tisch zu wischen." Die Partner handeln dabei auch in ihrem eigenen Interesse.