Die Pläne für die Gründung einer europäischen Rating-Agentur drohen zu scheitern. Die Beraterfirma Roland Berger geht nach Informationen der Financial Times Deutschland nicht mehr davon aus, 300 Millionen Euro Startkapital für den Aufbau des Prestigeobjektes zusammenzukriegen.

Berger hatte vor allem auf die Unterstützung deutscher und französischer Großbanken gehofft, sei jedoch auf wenig Interesse gestoßen. Auch aus der deutschen Industrie sei mit der Ablehnung durch den BDI zuletzt Widerstand gekommen.

Dennoch sagte eine Sprecherin des Unternehmens: "Die Gespräche dazu laufen weiter." Sie räumte aber ein, dass bisher keine konkreten Zusagen für finanzielle Beiträge europäischer Banken vorlägen.

Gegengewicht zu US-Agenturen

Die europäische Rating-Agentur sollte ein Gegengewicht zu den dominierenden US-amerikanischen Agenturen S&P, Fitch und Moody's bilden. Sie beherrschen bislang den Rating-Markt und werden dafür kritisiert: Ihnen wird nicht nur wegen Fehlbewertungen eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben. Auch ihre Rolle bei der Beurteilung der Rettungskonzepte für hoch verschuldete Euro-Länder wie Griechenland , Portugal und Irland ist umstritten. Das Urteil der Rating-Agenturen ist oft für die Marktreaktionen auf solche Rettungspläne verantwortlich.

Das von Berger-Partner Markus Krall erdachte Ratingkonzept hätte das Geschäftsmodell der Branche umgekrempelt. Anstelle der Emittenten, die Wertpapiere herausgeben, sollten die Investoren für die Ratings bezahlen. So hätten die Agenturen keinen Anreiz mehr, sich mit übertrieben guten Noten Aufträge zu sichern.

Die Pläne sahen ein Stiftungsmodell für die europäische Agentur vor. Insgesamt 30 Investoren aus der Finanzbranche sollten jeweils zehn Millionen Euro beisteuern. Nach fünf bis sieben Jahren sollte sich die neue Agentur soweit etabliert haben, dass die Geldgeber aus dem laufenden Geschäft heraus ausbezahlt werden können.

Nach Informationen der Zeitung will Roland Berger das Projekt einer europäischen Rating-Agentur aber noch nicht ganz aufgeben. Eine kleine Gruppe von Investoren solle zumindest so viel Kapital zur Verfügung stellen, dass an der Idee weitergearbeitet werden könne.