Die spanischen Banken leiden weiter unter Geldnot und haben damit für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt. Die Ausleihungen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sind im März um fast 50 Prozent gestiegen und haben einen Rekord erreicht, wie die spanische Nationalbank mitteilte. Danach sind die Netto-Ausleihungen beim Eurosystem aus EZB und den anderen nationalen Notenbanken im Vergleich zum Vormonat von 152,4 Milliarden Euro auf 227,6 Milliarden Euro geklettert. Die spanischen Banken beanspruchen damit den Großteil der im März von der EZB verliehenen Summe von 361,7 Milliarden Euro.

Diese Entwicklung löste einen Anstieg der Renditen spanischer Anleihen aus. Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit bewegten sich wieder auf die kritische Marke von sechs Prozent zu – ab dieser Marke gilt die Emission neuer Papiere als zu teuer für Staaten. Auch der Euro geriet stärker unter Druck.

Weitere Krisensignale kamen vom Markt für die umstrittenen Kreditausfallversicherungen (CDS): Die Prämien für spanische Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres. Am Freitag legte die Prämie für eine Versicherung auf spanische Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit auf 492 Basispunkte zu. Das bedeutet, dass ein Investor 492.000 Euro zahlen muss, um Schulden in Höhe von zehn Millionen Euro abzusichern.

Banken verlieren an Wert

Die Auswirkungen waren auch an den europäischen Aktienmärkten zu spüren. So fielen Papiere der spanischen Großbank Santander um etwa vier Prozent. Anteilsscheine der italienischen Banken Unicredit und Intesa SanPaolo verbilligten sich jeweils um knapp drei Prozent. Wie ein Börsianer sagte, haben Banken einen "besonders schweren Stand, seit Spanien wieder in den Mittelpunkt gerückt ist". Es gebe beachtliche Zweifel, dass die Spanier ihr Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen können . Ein weiterer Händler sagte, die hohen Ausleihungen der EZB seien kein gutes Zeichen und trübten die Stimmung.

"Das Misstrauen gegenüber Spanien ist schon recht hoch, das darf man aber auch nicht überbewerten", sagte ein anderer Händler. "Letzten Endes ist die Rendite nicht wieder über sechs Prozent gestiegen, und das hängt vor allem damit zusammen, dass die EZB in Aussicht gestellt hat, wieder Anleihen anzukaufen."

Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hatte zuvor gesagt, die Zentralbank werde handeln, wenn es nötig werde. Zuvor hatte der französische EZB-Direktor Benoit Coeure angedeutet, das Anleihenankaufprogramm (SMP) könne wieder aufgenommen werden.

Neben Spanien ist in den vergangenen Tagen auch Italien wieder verstärkt unter Druck geraten. Italienische Anleihen über zehn Jahre rentierten um 5,4 Prozent. Anfang des Monats hatte die Rendite noch bei 5,2 Prozent gelegen, Mitte November waren es 5,7 Prozent.