Spanien ist zurück im Rampenlicht der Euro-Krise . Dort hat es immer hingehört, wenn man die fiskalischen, ökonomischen und finanziellen Fundamentaldaten betrachtet.

Während der gesamten Krise wurde die Zahlungsfähigkeit und Liquidität von Staaten zu einem großen Teil von dem Stimmungen an den Märkten bestimmt. Damit die Kreditkosten auf ein erträgliches Maß sinken können, muss Spanien das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen. Dafür braucht es gute Nachrichten. Doch ein Blick auf die Ereignisse in Spanien und der Euro-Zone in den kommenden Monaten wirft die Frage auf, woher diese guten Nachrichten kommen sollen.

Seit die Zinsen für spanische Anleihen im April sprunghaft gestiegen sind (siehe Grafik), hat die spanische Regierung am 9. April ein neues Sparpaket in Höhe von zehn Milliarden Euro verkündet . Einen Tag zuvor hatte Premier Mariano Rajoy Sparmaßnahmen in Höhe von 27 Milliarden Euro und Steuererhöhungen für den Etat dieses Jahres angekündigt. Die Märkte reagierten nicht gerade beeindruckt. Stattdessen stiegen die Zinsen für die Staatspapiere weiter. Das ist ein Beleg dafür, dass sich Spanien in einer unheilvollen Spirale aus Sparmaßnahmen und Rezession befindet.

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In dieser Lage kann Spanien nicht gewinnen. Verkündet die Regierung keine weiteren Sparmaßnahmen, glauben die Märkte, dass Spanien es nicht ernst meint mit dem Erreichen der eigenen Haushaltsziele. Deshalb meiden sie spanische Staatsbonds. Kündigt die Regierung hingegen weitere Kürzungen an, sorgen sich die Investoren, dass diese das Land weiter in die Rezession treiben, weshalb sie ebenfalls spanischen Staatspapieren aus dem Weg gehen. Egal was die Regierung auch unternimmt: Die Anleger werden verschreckt sein. Das dürfte sich in den nächsten Jahren nicht ändern. Zumindest nicht solange Spanien nicht auf einen Pfad nachhaltigen Wachstums zurückfindet.

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Land auf einen solchen Weg zurückkehrt? Leider nicht sehr wahrscheinlich. Spaniens Arbeitslosenquote betrug im letzten Quartal des vergangenen Jahres fast 23 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit stieg im Januar erstmals über die Marke von 50 Prozent. Der jüngste Einkaufsmanagerindex (PMI) erbrachte im März das schlechteste Resultat seit elf Monaten: 44,5 Punkte. Liegt er unterhalb von 50 Punkten deutet das auf eine Schrumpfung gegenüber dem Vormonat hin. Beunruhigenderweise sind auch die Auftragseingänge der Firmen rückläufig, weshalb es wahrscheinlich ist, dass sich der Index weiter verschlechtern wird.

Auch der Absturz am spanischen Immobilienmarkt ist nicht zu Ende. Die Bilanzen der Privathaushalte und Banken werden dadurch weiter belastet. Die Regierung steuert mit aggressiven Sparmaßnahmen und Strukturreformen gegen – beides wird das Wachstum in der kurzen Frist dämpfen. Am 30. April wird Spaniens Regierung eine erste Schätzung für das Wachstum im ersten Quartal 2012 bekannt geben. Niemand sollte erwarten, dass das die Märkte beruhigen wird. Hinzu kommt, dass ein schwächeres Wirtschaftswachstum es für Spanien schwieriger machen wird, seine Defizitziele zu erreichen. Es gibt sehr geringe Chancen, dass das Land es schaffen wird, sein Defizit wie geplant auf 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr und drei Prozent im kommenden Jahr zu senken.

Die guten Nachrichten, die Spanien bräuchte, sind auch nicht vom Bankensektor zu erwarten. Selbst wenn Spaniens Banken es schaffen, die neuen Kernkapital-Regeln bis Mitte 2012 einzuhalten, bleibt das Bankensystem ein schwarzes Loch und eine Quell der Unsicherheit für Investoren. Weil die Immobilienpreise sinken und die Arbeitslosigkeit steigt, werden weitere ausfallende Hypothekenkredite sichtbar werden. Spaniens Banken werden ohne Zweifel eine weitere Rekapitalisierung benötigen, auch wenn es schwierig ist, die Höhe und den Zeitpunkt vorherzusehen.