Das gegen die Schuldenkrise kämpfende Spanien gerät an den Finanzmärkten wieder stärker unter Druck. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind zum ersten Mal in diesem Jahr über die kritische Marke von sechs Prozent gestiegen. Die Investoren misstrauen der Krisenbewältigung der spanischen Regierung.

Für das ohnehin angeschlagene Euro-Land wird es nun immer teurer, Kapital aufzunehmen. Auch die Prämien für Ausfallversicherungen auf spanische Staatsanleihen erreichten Rekordwerte. Als Folge sank auch der Euro zeitweise unter die Marke von 1,30 Dollar.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso versuchte die Lage zu entspannen: Als Reaktion auf die nervösen Finanzmärkte sprach er Spanien sein Vertrauen aus. "Ich bin absolut überzeugt davon, dass Spanien in der Lage sein wird, die Herausforderungen zu meistern." Er sei "vollkommen zuversichtlich", dass die spanische Regierung alle Schwierigkeiten bewältigen werde.

Skepsis auf dem Finanzmarkt

Auf dem Finanzmarkt herrscht jedoch Skepsis: Zwar verkündet die Regierung des von Schulden geplagten Landes ein Sparvorhaben nach dem anderen, doch die Wirtschaft rutscht immer weiter ab, und der Bankensektor hat anhaltende Problemen. Wirtschaftsminister Luis de Guindos zufolge erlebt sein Land erneut eine Rezession.

Auch die mehr als sechs Prozent Effektivzinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind ein deutliches Alarmsignal – die Rendite stieg nun bis auf 6,13 Prozent. Anfang Februar hatte sie noch bei unter fünf Prozent gelegen. Ab einem Zinssatz von sieben Prozent gilt die Geldaufnahme für Staaten auf Dauer als zu teuer.

"Irgendeine Art von Rettung"

Viele Investoren gehen davon aus, dass die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone letztlich nicht ohne internationale Hilfe auskommen wird. "Wir sind voll zurück im Krisenmodus", sagte der Analyst Lyn Graham-Taylor. "Es sieht immer mehr danach aus, als ob Spanien irgendeine Art von Rettung braucht."

Nach Ansicht von Experten sind die Rettungsfonds noch zu klein, um Spanien im Notfall helfen zu können. Fragen nach einer weiteren Aufstockung des Euro-Rettungsfonds wies Barrosos Sprecherin allerdings zurück. Dies sei kein Thema. Die Finanzminister der Euro-Länder hatten sich Ende März darauf verständigt, den neuen Euro-Rettungsfonds ESM von den bisher geplanten 500 auf rund 800 Milliarden Euro aufzustocken.