Der Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hat Interesse an der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker gezeigt. "Wir stehen in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter", sagte ein Sprecher Berggruens. Nach Angaben der Financial Times Deutschland soll Berggruen für das gesamte Unternehmen einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag bieten. Dafür würde er nicht die Firma, sondern ihren Besitz übernehmen. Die gebotene Gesamtsumme ist niedriger als der Wert der einzelnen Bestandteile, deshalb war unklar, ob das den Gläubigern reichen würde.

Vor allem die Kreditversicherung Euler Hermes als größte Gläubigerin soll skeptisch sein , auch wenn sie Gesprächsbereitschaft signalisiert haben soll. "Wir sind im Gläubigerausschuss sehr aktiv. Die Verhandlungen schreiten voran. Aber es ist noch nichts entschieden", hatte ein Sprecher der Zeitung gesagt.

Am Nachmittag hieß es dann aus dem Gläubigerausschuss, die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens sei vertagt worden. Damit hat Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bis kommenden Freitag Zeit, noch weitere Investoren zu suchen. "Wir müssen bis nächsten Freitag belastbare Angebote vorliegen haben", sagte Geiwitz. Anderenfalls müsse der Betrieb eingestellt werden.

Gläubiger könnten Zerschlagung beschließen

Vier Monate nach dem Insolvenzantrag hatte Insolvenzverwalter Geiwitz noch keinen Geldgeber präsentiert . Die Gläubiger könnten nächste Woche auch die Zerschlagung des Unternehmens beschließen. Wird Schlecker in Einzelteile zerlegt, würden noch vorhandene Vermögenswerte verkauft. Der Großteil der deutschen Filialen würde dann wohl geschlossen, weitere Tausende Schlecker-Mitarbeiter würden ihren Job verlieren.

Die Sitzung des Gläubigerausschusses fand hinter verschlossenen Türen statt, auch die Zeit wurde nicht bekanntgegeben. In der nächsten Sitzung muss Geiwitz für eine Fortführung des Geschäfts die Gläubiger von seinem Zukunftskonzept überzeugen.

In dem Ausschuss sitzen die größten Gläubiger Schleckers. Dazu gehören neben der Kreditversicherung Euler Hermes die Lieferantengruppe Markant Finanz AG und die Agentur für Arbeit in Ulm . Fällt nächste Woche eine Entscheidung, wird sie am 5. Juni bei der vom Amtsgericht Ulm festgelegten Gläubigerversammlung endgültig beschlossen.

Im Zuge der Insolvenz der Drogeriekette mit Sitz in Ehingen war Ende März bundesweit rund 10.000 Beschäftigten gekündigt worden. Ende Januar hatte das Unternehmen den Insolvenzantrag gestellt.