Derselbe Raum, dasselbe Pult, dieselbe tiefblaue Kulisse. Ein anderer Typ. Es ist erst ein paar Wochen her, da stand im französischen Pressesaal des Brüsseler Ratsgebäudes Nicolas Sarkozy. Tänzelnd, zappelnd, grimassierend erklärte er die Welt und wie er zusammen mit "Angela" - es klang bei Sarkozy immer wie "Onschela" – Europa rettete. Nun steht dort vorn François Hollande, ein freundlicher, wohltemperierter Mann, nicht wirklich größer als Sarkozy, aber deutlich balancierter. Und "Angela" heißt bei ihm schlicht "Madame Merkel".

Europa muss er vielleicht auch retten. Aber nun berichtete Hollande erst einmal belustigt von seinem ersten Treffen im Kreis der europäischen Kollegen. 27 Länder seien am Tisch der EU vertreten, hat er gezählt. Jedes Land sei wichtig und jeder Regierungschef dürfe sprechen: "Man muss zuhören können." Dabei seien die Wortbeiträge unterschiedlich lang ausgefallen. "Die einen brauchen nur ein paar Minuten, um ihre Gedanken zu formulieren. Andere nehmen sich dafür einen Teil der Nacht." Denn das hat sich vorerst nicht geändert: Mitternacht war lange vorbei, als die Regierungschefs ihre Beratungen beendeten.

Hollande steht für Veränderung

Ansonsten soll sich viel verändern in Europa. Jedenfalls ist das der Eindruck, den Hollande seit seinem Amtsantritt vor zehn Tagen verbreitet. Es ist das Versprechen, das er nicht nur seinen französischen Wählern, sondern auch all den Griechen, Spaniern oder Portugiesen gegeben hat, die ihm bei seiner Wahl kräftig die Daumen drückten. Schluss mit der deutschen Austeritätspolitik, vive la croissance:Es lebe das Wachstum! 

W elchen Unterschied ein französischer Präsident macht, das konnte man in Brüssel am besten beobachten, als der Gipfel noch nicht begonnen hatte. Früher trafen sich die europäischen Sozialdemokraten und Sozialisten vor einem Gipfel stets in einer schmucklosen Etage am Rande des Brüsseler Europaviertels. Der Kreis der Teilnehmer war klein, das öffentliche Interesse gering. Es gab nicht viele linke Regierungschefs in Europa. Früher, das ist noch keine drei Wochen her.  

Sehr viel mehr linke Regierungschefs gibt es noch immer nicht. Doch am Mittwoch fand das Treffen mitten in Brüssel statt, in einem schmucken Konferenzzentrum unweit des Königspalastes. Viele waren gekommen. Kanzler oder Ministerpräsidenten aus Belgien, Österreich, der Slowakei, Parteichefs aus Italien, Ungarn und den Niederlanden, auch Sigmar Gabriel, der eigens aus Berlin herbeigeeilt war. Symbolik pur, eine Machtdemonstration der europäischen Linken, die lange in Europa keine Macht mehr gehabt haben. Nun haben sie Hollande! Auch wenn dieser noch im Schnellzug von Paris nach Brüssel unterwegs war, als sich seine Parteifreunde zum Familienfoto aufstellten.