Frage: Herr Kommissar, am Mittwoch treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU, um über die Schuldenkrise und Wachstumsinitiativen zu sprechen. Welcher Schaden würde der EU infolge eines Austritts Griechenlands Ihrer Meinung nach drohen? Und liegt es noch in der Macht Europas das zu verhindern?

Hahn: Wir wollen uns nicht an Spekulationen über worst case Szenarien beteiligen. Jetzt geht es darum, alle konstruktiven Kräfte zu mobilisieren und darzustellen, was die Reformen langfristig bringen, auch wenn sie schmerzhaft sind.

Frage: Wen meinen Sie mit konstruktiven Kräften genau?

Hahn: Es ist Aufgabe der griechischen Politiker, dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung bei den Neuwahlen im Juni eine Entscheidung in voller Sachkenntnis der Lage treffen kann. Unser Beitrag besteht darin, dass wir nach wie vor unsere Unterstützung anbieten und ein klares Bekenntnis abgelegt haben, dass Griechenland ein Mitglied der EU und der Eurozone bleiben soll.

Frage: Nach der gescheiterten Regierungsbildung ist das politische Chaos in Griechenland perfekt. Kann die EU noch guten Gewissens Gelder zum Aufbau des Landes nach Athen überweisen?

Hahn: Ja. Das Staatsgefüge ist ja nicht implodiert. Es gibt eine existierende Administration. Wir haben 13 gewählte Gouverneure. Viele Projekte werden über die Regionen abgewickelt. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir signalisieren, mit jenen, die das wollen, Projekte auch umsetzen zu können.

Frage: Das aber hat doch schon in der Vergangenheit nicht funktioniert.

Hahn: Deshalb haben wir im September vergangenen Jahres eine Aktionsliste mit fast 190 Projekten erstellt, die einen Auftragswert von mehr als elf Milliarden Euro haben. Wir haben die Umsetzung in Schwung gebracht.

Frage: Wie genau?

Hahn: Erstens musste zu jedem Projekt eine natürliche Person als Letztverantwortlicher nominiert werden. Zweitens gibt es erstmals für jedes Projekt quartalsweise Fortschrittsberichte. Und drittens wurde die gesamte Liste via Internet öffentlich gemacht.

Frage: Und, geht es voran?

Hahn: 17 Projekte mit einem Wert von 250 Millionen Euro sind inzwischen abgeschlossen. Das zeigt: Wenn man sich dahinter klemmt, läuft es. Das sind positive Signale. Diese Erfolge müssen wir der griechischen Bevölkerung vermitteln.