Trotz Kritik beteiligen sich deutsche Banken und Versicherungshäuser einem Zeitungsbericht zufolge massiv an umstrittenen Termingeschäften mit Nahrungsmitteln . Besonders engagiert sei eine US-Tochter der Münchner Versicherungskonzern Allianz, heißt es in einer Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam .

Nach Recherchen von Oxfam handelt der Versicherer wie kein zweites deutsches Unternehmen an Warenterminbörsen mit Nahrungsmitteln. In fünf Fonds setze das Unternehmen demnach auf steigende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere über die zum Konzern gehörende Kapitalanlage-Gesellschaft Pimco. Der Studie zufolge hatte die Allianz 2011 mehr als 6,2 Milliarden Euro in solche Fonds investiert, die Deutsche Bank knapp 4,6 Milliarden Euro. In einem globalen Markt, den Analysten auf rund 70 Milliarden Euro schätzen, kämen allein diese beiden Geldinstitute auf einen Anteil von rund 14 Prozent.

Allianz weist Vorwürfe zurück

Solche Geschäfte trieben Nahrungspreise hoch und verschärften so Hungerkrisen, kritisiert Oxfam. "Menschen in armen Ländern geben bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus", sagte Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne, der Süddeutschen Zeitung . Sie seien "den Preissprüngen durch die Spekulation mit Nahrungsmitteln schutzlos ausgeliefert".

Die Allianz wies die Vorwürfe zurück. Der Finanzkonzern investiere weniger als ein Prozent seiner Anlagen in Nahrungsmittelderivate. "Unsere Fonds setzen dabei nicht gezielt auf steigende Preise", sagte ein Sprecher der Zeitung. An den Finanzmärkten lasse sich ja auch auf fallende Preise setzen. "Ein Ausstieg steht zurzeit nicht zur Debatte."

Kritik an Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln gibt es seit Monaten, zuletzt stand vor allem die Deutsche Bank im Vordergrund. Sie überprüft derzeit die Vorwürfe und will solange keine weiteren Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen.