Die SPD wirft den vier großen Stromnetzbetreibern vor, bei den Investitionskosten für den Netzausbau zu täuschen. "Die Netzanbieter übertreiben maßlos. Es wird mit Zahlen operiert, die wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch sind wie die tatsächlichen Zusatzkosten", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber der Passauer Neuen Presse . Das sei der "Versuch, die nächsten Erhöhungen bei den Netzentgelten zu rechtfertigen, und die Energiewende auszubremsen". Die SPD werde im Beirat der Bundesnetzagentur darauf drängen, dass die echten Zahlen auf den Tisch kämen.

Die Netzbetreiber hatten die notwendigen Investitionen bei der Vorstellung der Ausbaupläne für Stromleitungen am Mittwoch auf rund 20 Milliarden Euro beziffert. Zugleich hatten sie erklärt, dass sich damit aber auch Kosten für Eingriffe in die derzeit überlasteten Netze von mehreren Hundert Millionen Euro pro Jahr sparen ließen.

Der Netzausbau ist wegen des Atomausstiegs und der geplanten Energiewende nötig, um ausreichend Wind- und Sonnenstrom in die Industriezentren transportieren zu können. Dafür müssen in den nächsten zehn Jahren vier lange Stromautobahnen durch Deutschland gebaut werden. Neben 3.800 Kilometern an neuen Trassen sollen 4.400 Kilometer Leitungen im Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie die schwankende Wind- und Solarstromeinspeisung dauerhaft meistern können. Nach der Vorstellung der Netzbetreiber-Pläne haben bis zum 10. Juli nun die Bürger das Wort – ihre Einwände sollen bei der endgültigen Planung durch die Politik berücksichtigt werden.

Union will Stromspeicher mit Millionenprogramm fördern

Die Unionsfraktion im Bundestag dringt auf ein Millionenprogramm, um das Speichern von Strom stärker zu fördern. "Wir werden bis Oktober Pläne für ein Marktanreizprogramm für Speicher vorlegen", sagte der energiepolitische Sprecher Thomas Bareiß ( CDU ). "Dafür wollen wir von 2013 an mindestens 100 Millionen Euro in die Hand nehmen." Gefördert werden könnten zum Beispiel kleine Batteriespeicher, damit der Solarstrom vom Hausdach im Keller gespeichert werden kann.

Bareiß wies Zweifel an der Machbarkeit der Energiewende zurück. "Wir kommen mit der Energiewende voran, meine Sorge ist, dass wir in einigen Bereichen sogar zu schnell vorankommen und die Menschen damit überfordern." Gerade bei der Fotovoltaik gebe es einen Zubau, der dramatisch sei. "Daher muss man in einigen Bereichen den Ausbau der erneuerbaren Energien eher drosseln und mit dem Ausbau von Netzen und Speichern synchronisieren."