Das Geschäft von Banken ist mittlerweile so komplex und international geworden, dass es von einer nationalen Regulierungsbehörde kaum wirksam beaufsichtigt werden kann. Entweder sie geht dabei sehr streng vor. Dann wechselt ein solches Institut einfach das Land. Oder aber sie akzeptiert, dass viele Dinge nicht kontrolliert werden können. Dann wird die Bank zu einer Zeitbombe. Der Standortwettbewerb der großen Finanzplätze zerstört so die Stabilität des Finanzsektors.

Auch die Größe von Banken wird zunehmend zum Problem. Die meisten Länder haben ein System zur Sicherung der Einlagen der Sparer eingerichtet, wohl wissend, dass keine Bank einen Ansturm ihrer Sparer überstehen kann. Das Geld zur Sicherung der Einlagen erhalten sie aus Beiträgen der beteiligten Institute. Wie bei allen Formen der Versicherung benötigt man dafür aber zahlreiche, der Größe nach relativ homogene Teilnehmer. Die Einlagen der wenigen Großbanken eines Landes können daher nicht glaubwürdig über solche Systeme gesichert werden. Im Zweifel muss dann der Steuerzahler den Kopf hinhalten.

Keine nachträgliche Versicherung

Die Lösung liegt auf der Hand: Eine übergeordnete Behörde sollte diese Institute beaufsichtigen, ein übernationales Sicherungssystem ihre Einlagen absichern. Idealerweise sollte diese Aufsicht sich durch hochkompetente Mitarbeiter auszeichnen. Sie sollte über die notwenige Macht und Unabhängigkeit verfügen, um in allen beteiligten Ländern die Institute wirksam zu beaufsichtigen und ein Ausweichen auf weniger scharf regulierte Finanzplätze zu verhindern. Und auf internationaler, zum Beispiel europäischer Ebene gibt es auch viel mehr Großbanken, sodass das Versicherungsprinzip der Einlagensicherung auch für diese Institute wieder zur Geltung käme. Soweit man dies alles unter einer europäischen Bankenunion versteht, wäre sie ein wichtiger Schritt zu einem stabileren europäischen Bankensystem.

Woher also dieses nagende Gefühl des Unbehagens angesichts der Vorschläge? Es geht um den Zeitpunkt und die Initiatoren dieses Projekts. Eine solche europäische Bankenunion entstünde nicht im luftleeren Raum. Sie steht im Kontext der Schuldenkrise in Europa und der europäischen Machtverhältnisse. Und dort war einigen Akteuren jeglicher Stabilitätsgedanke, sei es hinsichtlich ihres Bankensystems oder ihrer Staatsfinanzen oder auch des europäischen Währungssystems als Ganzem, über ein langes Jahrzehnt hinweg vollkommen gleichgültig. Warum also jetzt?

Eine Versicherung schließt man ab, bevor ein Schaden entstanden ist, ja sogar bevor er sich abzeichnet. Alles andere wäre Betrug an der Versicherung und den Mitversicherten. Eine gemeinsame europäische Einlagensicherung jetzt wäre eine solche nachträgliche "Versicherung". Ein simpler Vermögenstransfer auf zweifelhafter moralischer Grundlage.