Die Bundesbank lehnt den von den sogenannten Wirtschaftsweisen vorgeschlagenen Einstieg in eine gemeinsame Haftung der Euro-Staaten zum jetzigen Zeitpunkt ab. Haftung und Kontrolle würden damit "erheblich aus der Balance geraten", kritisierte die deutsche Notenbank den "Schuldentilgungspakt" des Sachverständigenrats. Bei einem Verstoß gegen die Regeln würden zudem keine Souveränitätsrechte auf die europäische Ebene verlagert und somit keine Durchgriffsrechte auf die nationalen Haushalte ermöglicht, schrieb die Notenbank in ihrem in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht: "Ob eine Umsetzung im Rahmen bestehender europäischer Verträge und auch der deutschen Verfassung tatsächlich möglich wäre, erscheint sehr fraglich."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht das von den Grünen favorisierte Modell skeptisch, da es eine Reihe verfassungsrechtlicher Fragen aufwerfe. Der Vorschlag des von dem Mannheimer Forscher Wolfgang Franz geführten Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sieht vor, dass die Euro-Länder ihre Schulden jenseits der Maastricht-Grenze von 60 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in einen Tilgungsfonds mit gemeinsamer Haftung auslagern.

Die Bundesbank warnt in ihrem Bericht zugleich vor einer Überdimensionierung eines solchen Haftungsmodells: Die Schulden der Euro-Länder – ohne Griechenland , Irland und Portugal – jenseits der 60-Prozent-Marke des BIP summierten sich demnach Ende 2011 bereits auf gut 2,3 Billionen Euro. Das entspricht 90 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. "Es handelt sich damit um eine sehr weitgehende Einführung einer Gemeinschaftshaftung über die bereits vorhandenen Hilfsprogramme hinaus." Gegen den Plan spreche auch die Erfahrung im Umgang mit europäischen Haushaltsregeln. So müsse ausgeschlossen werden, dass der Tilgungspfad am Ende gestreckt oder ganz auf Tilgung verzichtet werde. Es sei aber sehr zweifelhaft, dass "eine stringente Ausgestaltung und entsprechende Umsetzung im Zeitverlauf sichergestellt werden" könne.

Bundesbank bleibt bei Wachstumsprognose

Trotz der außergewöhnlich hohen Unsicherheiten bleibt die deutsche Konjunktur nach Überzeugung der Bundesbank auf Wachstumskurs. "Die Anpassungsrezession in einigen Ländern des Euro-Raums und der von der Staatsschuldenkrise ausgehende Vertrauensverlust haben zwar Spuren hinterlassen, der strukturell gute Zustand der deutschen Volkswirtschaft und die robuste globale Konjunktur haben aber die Oberhand behalten", hieß es in dem Bericht.

Nach einer vorübergehenden Schwächephase habe die Konjunktur in Deutschland wieder Fahrt aufgenommen. Allerdings habe die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung in den letzten Wochen erkennbar zugenommen. Nach der Prognose der Deutschen Bundesbank wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,0 Prozent wachsen. "Unter der Voraussetzung einer anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft und bei Ausbleiben einer Eskalation der Finanz- und Staatsschuldenkrise könnte sich das reale Wachstum im Folgejahr dann auf 1,6 Prozent verstärken."

Allerdings bleibe abzuwarten, in welchem Ausmaß die jüngste Verschärfung der Staatsschuldenkrise im Euro-Gebiet und die Anzeichen für eine Abschwächung der globalen Konjunktur die Aussichten für die deutsche Wirtschaft belasten. Nach Überzeugung der Währungshüter widerspricht die jüngste Eintrübung der Indikatoren bisher aber nicht der Erwartung, dass die gesamtwirtschaftliche Dynamik nach einem schwächeren Frühjahrsquartal in der zweiten Jahreshälfte allmählich wieder anziehen könnte.