Glaubt man dem deutschen Ökonomen-Mainstream, dann wären Euro-Bonds ein ziemlich teurer Weg, die Krise zu bändigen. Rund 55 Milliarden Euro, hat das ifo-Institut nun für ZEIT ONLINE ausgerechnet, würde es den deutschen Steuerzahler langfristig jedes Jahr zusätzlich kosten, wenn die Gemeinschaftsanleihen eingeführt würden. Pro Kopf seien das 674 Euro, schreiben die Ökonomen. Eine Stange Geld also.

Unsere Grafik relativiert die düstere Prognose der Münchener Forscher ein wenig. Im Vergleich zu heute würden die Zinsen für Deutschland der ifo-Prognose zufolge zwar tatsächlich deutlich steigen – und zwar um etwas mehr als zwei Prozentpunkte. Die Logik dahinter: Wenn der deutsche Staat für Länder wie Spanien und Griechenland mithaftet, werden die Anleger einen höheren Zins als Sicherheit verlangen. Das Schuldenmachen wird für Deutschland teurer, für die Südländer billiger.

Historisch betrachtet läge das Zinsniveau für deutsche Anleihen aber immer noch weit unter dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahrzehnte – und zwar in etwa auf dem Niveau vor der Krise. Ein Grund dafür lässt sich ebenfalls aus der Grafik ablesen: Weil vor allem seit der Jahrtausendwende viel Ersparnis aus den Öl- und Schwellenländern in den deutschen Anleihemarkt geflossen ist, und Deutschland als eine der letzten sicheren Bastionen in der Schuldenkrise gilt, ist das Schuldenmachen für den deutschen Staat im Moment so günstig wie nie.

Das eigentliche Problem der Euro-Bonds ist eher ein anderes: Wenn die Zinsen sinken, geht womöglich auch die Bereitschaft der Südländer zurück, zu refomieren und zu sparen. Die wahren Kosten der Gemeinschaftsanleihen würden in diesem Fall noch höher ausfallen, schreiben die ifo-Forscher. Das aber ist eine Frage von politischen Verhandlungen – und kein Argument gegen eine gemeinsame Haftung.