Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Finanzstabilität in der Euro-Zone massiv bedroht. Die relative Ruhe zu Jahresbeginn habe sich als trügerisch erwiesen, seit April sei der Druck wieder gewachsen , schreiben die Währungshüter in ihrem Finanzstabilitätsbericht. Das Finanzsystem sei weiter verwundbar. Deshalb dürften Banken und Regierungen bei der Umsetzung der notwendigen Reformen nicht nachlassen.

Die Zentralbank fordert vor allem von der Politik weitere Anstrengungen . Die Haushaltsdisziplin dürfe nicht nachlassen und Strukturreformen für Wachstum und Beschäftigung müssten eingeleitet werden. Die EZB sprach sich zudem erneut für eine Bankenunion in der Euro-Zone aus: Dazu sollten eine einheitliche Kontrolle, eine Rettungseinrichtung für Großbanken und eine harmonisierte Einlagensicherung gehören.

Die EZB hatte den europäischen Banken im Dezember und Februar insgesamt eine Billion Euro an billigen langfristigen Krediten zur Verfügung gestellt. Zudem kauften die Währungshüter zeitweise Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten. Seit Mitte März ruht das Programm, nach den Worten ihres Ratsmitglieds Jozef Makuch plant die EZB auch keine Neuauflage ihrer milliardenschweren Sonderkredite für die Geschäftsbanken. "Es gibt derzeit keine Diskussion darüber", sagte der Chef der slowakischen Zentralbank.

EZB könnte Zins senken

Dagegen schließt die EZB eine Zinssenkung nicht mehr aus. Entsprechend äußerte sich Makuch ebenso wie EZB-Vizepräsident Vitor Constancio. "Wie es der Präsident gesagt hat, sind wir bereit, so viel Liquidität wie nötig zur Verfügung zu stellen und uns allem zu stellen, was passiert", sagte Constancio.

Zuletzt wurde vor allem eine Absenkung des Einlagezinssatzes auf null Prozent für möglich gehalten. Dieser Einlagezins liegt derzeit bei 0,25 Prozent und damit einen dreiviertel Prozentpunkt unter dem Leitzins von 1,0 Prozent. An den Märkten wird nun darauf spekuliert, dass die Notenbank nicht den Einlagezins senkt, sondern auch den darüber liegenden Leitzins und den Zins für Übernachtkredite (Spitzenrefinanzierung). Ein Einlagezins von null Prozent würde es für die Banken deutlich unattraktiver machen, Geld bei der EZB zu lagern und es nicht an andere Banken zu verleihen.

Spanische Anleihen auf Rekordhoch

Der Druck durch die Finanzkrise einiger Euro-Staaten war am Dienstag erneut gewachsen. So stieg die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Bis zum Nachmittag legte die Rendite am Sekundärmarkt auf 6,783 Prozent zu. Auch italienische Staatspapiere verteuerten sich auf 6,156 Prozent.

Nach Einschätzung von Experten herrscht die blanke Panik am Markt. "Wie stark die Verunsicherung ist, zeigt sich nicht nur an den starken Verkäufen von spanischen und italienischen Staatsanleihen", sagte Marc Burgheim, Leiter des Devisenhandels der BayernLB . "Mittlerweile werden auch die als bisher sicher geltenden deutschen Anleihen verkauft." Stark nachgefragt werde neben dem Dollar auch das Gold.