Die Griechen fordern sie, die Europäer sind bereit, sie zu gewähren: Zugeständnisse an Griechenland . Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz , hat gefordert, man müsse über die Höhe der zu zahlenden Zinsen diskutieren. Es gebe Zahlungsverpflichtungen, die in den vorgegeben Zeiträumen nicht geleistet werden könnten, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk .

Privatisierungen kämen zudem aus einem Mangel an Interessenten nicht voran, sagte Schulz. Er regte an, nicht abgerufene Mittel aus dem EU-Haushalt für das Land zu verwenden und etwa ein Kreditprogramm für kleinere und mittlere Unternehmen aufzulegen.

Die konservative Partei Nea Dimokratia ist bei der Wahl mit etwa 30 Prozent stärkste Kraft geworden , gefolgt vom Linksbündnis Syriza mit fast 27 Prozent und der sozialdemokratischen Pasok mit gut zwölf Prozent. ND und Pasok, die sich beide grundsätzlich zum Sparkurs bekennen, hätten somit eine Mehrheit, sollten sie sich für eine Zusammenarbeit entscheiden. Die Börsen reagierten positiv , weltweit äußerten Politiker die Erwartung, dass Griechenland sich stabil und zuverlässig zeige.

Sträflich vernachlässigt

Die EU wendet mit Krediten in dreistelliger Milliardenhöhe derzeit einen Staatsbankrott Griechenlands ab , hat aber eine harte Sparpolitik zur Auflage gemacht. Ob das Land mehr Zeit für die geplanten Reformen erhält, wird nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle vom Urteil der internationalen Troika aus EU, Zentralbank und Internationalem Währungsfonds abhängig sein, die den Fortschritt im Lande kontrolliert. "Wir sind bereit, über den Zeitplan zu reden", sagte er. "Aber die Reformvereinbarungen stehen nicht zur Disposition." Diese müssten in der Substanz umgesetzt werden.

Die Agentur Reuters zitierte später Vertreter der Bundesregierung mit den Worten, die Äußerung Westerwelles zum Reformzeitplan sei nicht innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Westerwelle erläuterte dagegen, er habe sich am Wochenende mehrfach mit Kanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Es sei offensichtlich, dass der Wahlkampf die Reformen in Griechenland verzögert habe.

Auch aus den Reihen des Wahlsiegers, der konservativen Nea Dimokratia, kam die Erwartung, dass die EU die Sparauflagen jetzt lockere. Die Fristen sollten gestreckt werden, sagte der ehemalige Außenminister Evangelos Antonaros. "Zweitens ist für uns sehr wichtig, dass der Wachstumsaspekt der griechischen Wirtschaft nicht vernachlässigt wird." Dies sei bisher sträflich der Fall gewesen. Bei diesem Wunsch unterstützte ihn auch Westerwelle: Es gehe nun in ganz Europa darum, die Haushaltskonsolidierung durch einen Wachstumspakt zu ergänzen, sagte der deutsche Außenminister. Die Diskussion über einen Wachstumspakt hatte Frankreichs Präsident François Hollande im französischen Wahlkampf angestoßen.

Keine Rabatte auf Reformen

Die EU-Kommission will Griechenland gegenüber jedoch hart bleiben. "Wir wollen helfen und Griechenland in der Euro-Zone halten", sagte EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski dem Handelsblatt . "Aber wir haben schon äußerste Flexibilität angewandt gegenüber Athen ." Europa sei der Regierung dort schon sehr weit entgegen gekommen. Den in Athen immer öfter bemühten Vergleich zu geringeren Sparvorgaben für Spanien wies Lewandowski zurück.

In Deutschland forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die künftigen Regierungspartner in Athen auf, sich so schnell wie möglich zum vereinbarten Spar- und Reformkurs zu bekennen. In einem Telefonat mit Wahlsieger Samaras habe die Kanzlerin ihre Hoffnung auf die schnelle Bildung einer stabilen Regierung geäußert, sagte ein Sprecher. Sie gehe davon aus, dass sich Athen an seine europäischen Verpflichtungen halte. "Jetzt ist nicht die Zeit für irgendwelche Rabatte." FDP-Chef und Vizekanzler Rösler sagte, die vernünftigen Kräfte müssten sich jetzt sehr schnell zusammenfinden. "Die Regierung muss sich klar bekennen zu dem Anpassungsprogramm. Aus meiner Sicht kann es keine Rabatte auf Reformen geben."

Auch der Wirtschaftsflügel der CDU warnte vor einem Nachlassen des Reformdrucks. Den Griechen nun Aufschub bei der Umsetzung der Reformen zu gewähren, sei "Augenwischerei" und werde im Ergebnis nur teurer, sagte der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, im Deutschlandradio Kultur . Die Wahl habe daran erst einmal "gar nichts geändert". Griechenland habe nach wie vor keine richtige Wirtschaftsförderung, keine effiziente Steuerverwaltung und keinen flexiblen Arbeitsmarkt. Die EU müsse auf die bisherigen Vereinbarungen bestehen.