Verantwortliche der Europäischen Union rechnen fest damit, dass die künftige Regierung Griechenlands mit dem Staatenbund über den Sparpakt verhandeln will. Unabhängig vom Ausgang der erneuten Wahl am Sonntag werde jede neue Koalition Veränderungen an den Auflagen und Bedingungen verlangen , die an die europäische Finanzhilfe für das überschuldete Land verbunden sind, berichtet die Financial Times Deutschland unter Berufung auf EU-Kreise. Man werde sich dem nicht verweigern können, wenn das Land in der Euro-Zone bleiben soll, hieß es.

"Wir werden unser Möglichstes tun, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten, während es seine Verpflichtungen erfüllt", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy .

Auch die Parteien der derzeit amtierenden Regierung aus der konservativen Partei Nea Dimokratia und der sozialistischen Pasok warben für Veränderungen am Sparkurs. Antonis Samaras, der Spitzenkandidat der Konservativen, sagte, die Sparvorgaben hätten die Wirtschaft abgewürgt und müssten gelockert werden.

In Kreisen der europäischen Kontrolleure geht man davon aus, dass das Land seine Sparverpflichtungen bereits wieder verletzt hat. Seit der Billigung des zweiten Rettungspakets sei die Umsetzung kaum vorangekommen, hieß es aus EU-Kommission , Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

Am Sonntag wählen die Griechen nochmal, da nach der vergangenen Neuwahl keine regierungsfähige Mehrheit zusammenfand. Wegen des Dauerwahlkampfes kamen Reformen schlecht voran. Zuletzt war das Europa-kritische Linksbündnis Syriza stärkste Kraft geworden, fand aber keinen Regierungspartner.

Der Syriza-Vorsitzende Alexis Tsipras sagte, dass die Sparvereinbarungen nach der Wahl der Geschichte angehören würden, weil das griechische Volk seine eigene Geschichte schreiben werde. Es werde sicherlich "wirksame Verhandlungen" mit den Kreditgebern geben.

Bankautomaten eingeschränkt, Grenzen gesichert

In Brüssel denkt man darüber nach, was passieren wird, wenn Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden sollte. "Es gibt solche Diskussionen und wir wurden beauftragt zu klären, was in den EU-Verträgen vorgesehen ist", sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Nach jetzigem Stand flössen die Kredithilfen der Mitgliedsstaaten nur dann wie vereinbart, wenn Griechenland die Sparvorgaben der EU einhält. Ein Ende des Sparkurses hätte einen Hilfsstopp und damit den Staatsbankrott zur Folge.

Als Teil der diskutierten Notfall-Szenarien nannte der Sprecher Kapitalverkehrs- und Grenzkontrollen sowie die eingeschränkte Nutzung von Bankautomaten. Er ergänzte aber, das bedeute nicht, dass die Kommission einen Plan habe, der den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vorsehe. Das wäre ein bisher einmaliger Vorgang, der in den EU-Verträgen nicht vorgesehen ist.

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank , Vitor Constancio, rechnet nicht mit einem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro und einer Rückkehr zur Drachme. "Griechenland wäre in einer schlimmen Lage, wenn es das täte, und wir gehen nicht davon aus", sagte er.