Trotz aller Reformbemühungen wächst an den Finanzmärkten das Misstrauen gegen Italien . Investoren liehen dem hoch verschuldeten Land am Mittwoch zwar 6,5 Milliarden Euro, die Zinsen für diese Kredite stiegen aber auf den höchsten Stand seit Dezember. Für einjährige Anleihen verlangten Investoren Zinsen in Höhe von 3,97 Prozent, teilte die italienische Schuldenagentur mit. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung am 11. Mai waren es noch 2,34 Prozent.

Die italienische Regierung wehrt sich aber gegen Aussagen, Italien sei auf den Euro-Rettungsschirm angewiesen: Ministerpräsident Mario Monti sagte der ARD , Italien habe zwar hohe Staatsschulden, aber inzwischen eine viel solidere Haushaltspolitik. "Der Staatshaushalt wird dieses Jahr mit einer nur geringen Neuverschuldung abgeschlossen, mit 2 Prozent." Im kommenden Jahr werde es einen Überschuss geben. Auf die Frage, ob Italien unter den Rettungsschirm müsse, sagte Monti : "Ich glaube: Nein".

"Ich verstehe, dass man Italien durch seine Vergangenheit als lustiges, undiszipliniertes Land begreifen kann", sagte Monti. "Aber momentan ist Italien disziplinierter als viele andere europäische Länder – und es ist auch nicht besonders lustig. Aber es unternimmt die richtigen Dinge, um ein solides Land zu werden." Auch in Deutschland werde derzeit nicht gesehen, dass Italien im Prinzip doppelt zahle: Einerseits die Anteile für die Rettung anderer kriselnder Euro-Staaten – andererseits aber auch hohe Zinsen für Staatsanleihen.

Schäuble unterstützt Monti

Die hohen Zinsen hätten nur mit den Spannungen an den Märkten zu tun, sagte Monti. "Wenn es bessere Aussichten für Wachstum gibt, dann werden sich die Risikoaufschläge verringern." Die EU müsse auf ihrem Gipfel am 28. und 29. Juni ernsthafte Schritte unternehmen, um öffentliche Investitionen zu stärken, und sich in Richtung der umstrittenen Euro-Bonds bewegen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ermutigte Monti, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. "Mit der Regierung hat Italien enorme Fortschritte erreicht", sagte Schäuble in einem Interview mit der Zeitung La Stampa . "Wenn Italien Montis Kurs folgt, wird es keine Risiken geben." Er hoffe sehr, dass das italienische Parlament den Ministerpräsident unterstütze. Nach einem Treffen mit den Chefs der Regierungsparteien hatte Monti die Koalition zu Geschlossenheit aufgerufen. Zusammenhalt sei nötig, "um die kritische Lage zu überwinden". Die Parteispitzen hätten ihm "volle Unterstützung" bei den bevorstehenden Parlamentsabstimmungen versichert. Zuletzt hatten sich aber prominente Vertreter von zwei Regierungsparteien für Neuwahlen in diesem Jahr ausgesprochen.

Italiens Wirtschaft schrumpft

Die drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Währungsraum steckt in der Rezession . Die italienische Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal um 0,8 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2011. Die Rendite auf zehnjährige italienische Staatsanleihen war am Dienstag mit 6,3 Prozent auf den höchsten Stand seit Januar gestiegen und pendelte am Mittwochmittag noch um 6,1 Prozent. Die neue Emission sorgte an den Finanzmärkten für ein verhalten positives Echo.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sieht Italien zu Unrecht im Visier der Finanzmärkte. "Es gibt keine Veränderung der Fundamentaldaten des Landes, die eine Attacke auf Italien rechtfertigen könnten", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan der Zeitung Il Messagero . Zugleich lobte der Italiener die Sparanstrengungen seines Heimatlandes. Italien gehöre zu den Staaten der Industrieländerorganisation, die sich dem Ziel einer Stabilisierung der Schulden am stärksten angenähert hätten.