Die Chefin des Internationalen Währungsfonds ( IWF ), Christine Lagarde, hat die Länder der Euro-Zone gewarnt, dass für die Lösung einiger Probleme keine drei Monate mehr blieben. Angesprochen auf die Aussage des Investors George Soros , der den Euro-Ländern kürzlich nur noch drei Monate zur Krisenbewältigung gegeben hatte, sagte Lagarde in einem Interview mit dem US-Sender CNN : Es müsse schnell gehandelt werden, für manches blieben "weniger als drei Monate" Zeit. Allerdings wurde das Interview nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits am Freitag geführt – zu einem Zeitpunkt also, als am spanischen Rettungsplan noch gearbeitet wurde.

"Ich denke, dass die Steuerzahler ihren Verpflichtungen nachkommen, ist ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der Situation eines jeden Landes – in Griechenland wie in anderen Ländern", sagte Lagarde. Lagarde hatte im Mai Empörung bei den Griechen hervorgerufen , als sie von diesen mehr Steuerehrlichkeit forderte und sagte, Kinder in manchen Regionen Afrikas bräuchten "mehr Hilfe als die Menschen in Athen ".

Internationale Politiker halten sich derzeit mit Kritik an der Lage in Griechenland zurück. Nachdem bei den Wahlen Anfang Mai sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erhielten und eine Regierungsbildung scheiterte, sind die Griechen am kommenden Sonntag erneut zur Stimmabgabe aufgerufen . Die internationalen Geldgeber befürchten einen Sieg des Linksbündnisses Syriza, das die Sparvereinbarungen aufkündigen will. In diesem Fall droht dem Land die Einstellung der Hilfszahlungen und somit die Staatspleite. Griechenland könnte dann gezwungen sein, als bisher einziges Land die Euro-Zone zu verlassen.

Aussicht auf erleichterte Sparauflagen für Griechenland

Lagarde deutete auch an, dass die Sparauflagen erleichtert werden könnten. "Das Haushaltsdefizit muss schrittweise, stetig reduziert werden", sagte sie. "Es muss nicht dieses Gürtel-enger-Schnallen sein, über das alle reden, aber es muss solide sein."

Die Forderung nach einem Entgegenkommen könnte durch das am Wochenende im Grundsatz vereinbarte Hilfspaket für Spanien noch einmal gestärkt werden. Die Regierung in Madrid will nur Hilfen für seinen Bankensektor beantragen und soll dafür deutlich weniger strenge Auflagen als Griechenland bekommen.