Dirk Notheis, der Deutschland-Chef von Morgan Stanley , lässt wegen der EnBW-Affäre sein Amt ruhen. Er habe "den Aufsichtsrat darüber informiert, eine Auszeit zu nehmen", sagte eine Sprecherin der Investmentbank. Seine Aufgaben als Deutschland-Chef würden ab sofort von Aufsichtsratschef Lutz Raettig übernommen, der den Posten früher schon einmal innehatte. Die übrigen Vorstandsmitglieder übernähmen Notheis' operative Aufgaben des Tagesgeschäfts. Zur Dauer der Auszeit teilte die Bank zunächst nichts mit.

Bereits am Wochenende war bekannt geworden, dass Notheis der US-Investmentbank seinen Rücktritt angeboten hat. Darüber liefen noch Gespräche mit dem Institut, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen aus der Bank.

Notheis ist wegen seiner Rolle bei der Verstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg ( EnBW ) kritisiert worden. Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den im Jahr 2010 getätigten Rückkauf von EnBW-Anteilen im Wert von 4,7 Milliarden Euro. Bei dem Deal hatte Notheis seinen CDU-Freund und damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beraten.

Der Untersuchungsausschuss soll herausfinden, ob das Land zuviel Geld bezahlt hat . Der Staatsgerichtshof des Landes hat den ohne Mitwirkung des Parlaments von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der Anteile vom französischen Energiekonzern EdF als Verfassungsbruch beurteilt.