Wieder einmal hat sich die Krise in Europa zugespitzt: Spanien kann sich nur zu sehr hohen Zinsen am Finanzmarkt refinanzieren und braucht Geld aus dem Rettungsfonds zur Stabilisierung der heimischen Banken . Auch für italienische Staatsanleihen steigen die Zinsen, und außerdem steckt die halbe Euro-Zone in einer Rezession.

Manch einer gibt der Währungsunion nur noch wenige Monate, sollten Staats- und Regierungschefs nicht endlich eine Lösung der Probleme präsentieren. Die Erwartungen an den EU-Gipfel in der kommenden Woche sind dementsprechend hoch, auch wenn Bundeskanzlerin Merkel betont, "der große Wurf" sei nicht zu erwarten . Derzeit kursieren mehrere Ideen, wie Europa auf die Eskalation der Krise reagieren sollte. Was ist von ihnen zu halten und in welcher Reihenfolge sollten sie umgesetzt werden?

Ein Vorschlag lautet: Europa braucht eine Bankenunion . Ins Spiel gebracht hat ihn Kommissionspräsident José Manuel Barroso . Demnach würden Sparvermögen nicht wie bislang in jedem Land einzeln durch einen Einlagenfonds abgesichert, sondern durch einen gemeinsamen Fonds der Euroländer. Außerdem soll eine gemeinsame europäische Aufsicht für die Banken geschaffen und ein Fonds eingerichtet werden, aus dem angeschlagene Banken in Notfällen gestützt werden. Finanziert würde letzterer von den Banken selbst.

Staaten haften letztlich für die Banken

Ökonomen unterstützen Barrosos Vorschlag – allerdings mit Einschränkungen. "Derzeit geraten Staaten in Schieflage, weil sie Banken retten müssen ", sagt Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Nur gehe den Länder – wie beispielsweise Spanien – langsam das Geld dafür aus. Die Folge: Die Bürger verlieren das Vertrauen und ziehen ihr Erspartes ab, um es in vermeintlich sichere Länder wie Deutschland zu investieren. Eine Absicherung der Spareinlagen durch alle Mitgliedstaaten könnte das verloren gegangene Vertrauen wieder herstellen, sagt Boysen-Hogrefe.

Auch Horst Löchel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance & Management, nennt eine Bankenunion "im Grundansatz richtig". Eine solche Konstruktion erfordere neben einer echten europäischen Bankenaufsicht auch, dass die Haushaltspolitik der Euro-Staaten stärker kontrolliert werde. Für dieses Vorhaben gibt es auch längst einen Namen: Fiskalunion .

Der sogenannte Fiskalpakt wurde bereits im vergangenen Dezember auf Ebene der Euro-Länder beschlossen und wird derzeit in den nationalen Parlamenten ratifiziert . Die Euro-Staaten verpflichten sich darin zur Einführung einer Schuldenbremse. Das jährliche Haushaltsdefizit darf nur noch maximal 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Außerdem wird das im Stabilitätspakt vorgesehene Defizitverfahren verschärft: Künftig soll es quasi automatisch anlaufen, wenn ein Land gegen den Pakt verstößt. Es sei denn, eine deutliche Mehrheit der Euro-Staaten stimmt gegen die Empfehlungen der EU-Kommission.

Dies reicht jedoch nach Ansicht von Ökonomen nicht aus: Eine Bankenunion schaffe eine gemeinsame Haftung, sagt Löchel. Dafür müssten die Euro-Staaten mehr Souveränität abgeben und mehr Kontrolle aus Brüssel zulassen. Die europäischen Partnerländer und die Vertreter der EU wollten dagegen das Geld jetzt und die Kontrolle, vielleicht, später, sagt Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim . Es bestehe die Gefahr, dass neben der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere Institution geschaffen werde, die für einen massiven Finanztransfer zwischen den europäischen Staaten missbraucht werde.

Das Problem ist nur, die Zeit wird knapp, vor allem für Spanien. Das Land kann sich auf Dauer Zinsen von bis zu sieben Prozent für neue Schulden nicht leisten. "Der Risikoaufschlag bedeutet, für Spanien ist die Tür zum Markt geschlossen", gab der spanische Finanzminister Crist ó bal Montoro unlängst zu. Auch eine Fiskal- und Bankenunion – unabhängig davon, wie sie am Ende aussieht – würde daran kurzfristig nur wenig ändern.