Daher beraten die Euro-Länder auch über Maßnahmen, die schnell wirken und die Märkte beruhigen. Ein Vorschlag lautet: Euro-Bills. Gemeint sind gemeinsame Anleihen der Euro-Länder mit einer Laufzeit von nur einem Jahr oder wenigen Monaten. Anders als bei den umstrittenen Euro-Bonds müsste Deutschland nicht über lange Zeit für die Schulden anderer Länder haften. Doch auch an diesem Konzept gibt es Zweifel.

"Euro-Bills sind eine Notlösung, die sicherlich kurzfristig helfen könnte, aber mehr auch nicht", sagt Gustav Horn , Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Er spricht sich dafür aus, dass die EZB ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen der Krisenstaaten wieder aufnimmt und so die Zinsen drückt. "Das gemeinsame Währungssystem zu stützen, ist Aufgabe der EZB", sagt Horn.

Die Möglichkeiten, für Schulden anderer Länder zu haften, seien auch für wirtschaftlich starke Länder begrenzt. "Wir brauchen die ultimative Glaubwürdigkeit, und die kann nur die Zentralbank bieten", argumentiert Horn. Dafür fehle es bislang aber an politischer Rückendeckung. Vor allem Deutschland stellt sich dagegen: Die Bundesregierung fürchtet, dass so falsche Anreize gesetzt werden und der Wille zum Sparen in Südeuropa nachlässt. Hinzu kommt die Angst vor einer steigenden Inflation.

Am Ende kann nur eine echte politische Union eine solide Haushaltsführung in den Mitgliedstaaten gewährleisten und die Währungsunion krisenfest machen. "Das ist aber erst sehr langfristig erreichbar", sagt der Frankfurter Ökonom Löchel.

Politische Union Schritt für Schritt

Dennoch müsse Europa eine solche politische Union Schritt für Schritt umsetzen. "Das fängt an mit einem Fiskalpakt, geht dann über eine Bankenunion möglicherweise zu Euro-Bonds", sagt Löchel. Unklar ist aber bislang, welche neuen Institutionen und Positionen in Europa dafür notwendig sind. Gegen viele Vorschläge, wie die eines europäischen Finanzministers, regt sich noch erheblicher Widerstand. "Man versucht immer noch, den zwischenstaatlichen Ansatz zu erhalten, obwohl eine stärkere politische Integration erreicht werden muss", sagt Ökonom Horn.

Letztlich müsse ein Modell für eine politische Union entwickelt werden, in das bestehende Strukturen einflössen. "Denkbar wäre ein Zweikammersystem", sagt Horn. "Auf der einen Seite würde der Rat der Regierungschefs und auf der anderen das Europaparlament stehen, vergleichbar mit Bundestag und Bundesrat in Deutschland." Bis dahin ist es ein langer Weg. Die Frage ist, ob die Währungsunion solange hält.