Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat Kritik an seinem Vorgehen in der Schuldenkrise zurückgewiesen. Durch die Wirtschaftsreformen und Schritte zum Abbau des Haushaltsdefizits sei vermieden worden, dass das gesamte Land wegen seiner Staatsschulden hätte gerettet werden müssen, sagte Rajoy nach dem am Vortag angekündigten Antrag auf Hilfen für den maroden Bankensektor.

Zugleich vermied er es die Unterstützung der Finanzinstitute als "Rettung" zu bezeichnen. Stattdessen sprach er wiederholt davon, "was gestern geschah". "Wenn wir nicht getan hätten, was wir in den vergangenen fünf Monaten getan haben, wäre das, was auf dem Tisch gelegen hätte, eine Intervention in Spanien gewesen." Rajoy hatte im Wahlkampf versprochen, dass sein Land nicht unter den Euro-Rettungsschirm müsse.

Medien kritisieren Rajoys Vorgehen

Der Ministerpräsident wies auf seine Leistung hin: "Es ist nicht einfach, eine Kreditlinie über 100 Milliarden Euro zu erhalten." In den spanischen Medien steht Rajoy dagegen in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, am Samstag Wirtschaftsminister Luis de Guindos vorgeschoben zu haben, um den Antrag auf Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds bekanntzugeben. Er selbst habe keine Verantwortung für den Schritt übernehmen wollen, hieß es. Daraufhin berief Rajoy unmittelbar vor seinem Abflug zur EM nach Polen eine Pressekonferenz ein.

EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn forderte Spanien auf, den offiziellen Antrag auf europäische Finanzhilfen noch vor dem nächsten Treffen der Euro-Finanzminister am 21. Juni zu stellen. Spanien müsse "schnell" einen formellen Antrag vorlegen, sagte Rehn. Rehn lobte die Hilfsbereitschaft der Euro-Zone. Die sei ein "sehr deutliches Signal" an die Märkte, erklärte er. Der Euro-Raum zeige damit, dass er bereit sei, zu handeln, um die Turbulenzen auf den Märkten zu beruhigen und eine Ausbreitung der Krise zu verhindern.

Rösler lobt Spaniens Hilfegesuch

Die Bundesregierung lobte Spaniens Hilfegesuch . Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) sprach von einem richtigen und notwendigen Schritt. "Ich gehe davon aus, dass das wesentlich dazu beitragen wird, Transparenz zu schaffen und das Vertrauen an den Finanzmärkten zu stabilisieren."

Spanien hatte am Samstagabend beschlossen, um finanzielle Unterstützung der EU zu bitten. Die Euro-Gruppe sagte die Hilfe bereits zu.  Es könnte sich um eine Summe von bis zu 100 Milliarden Euro handeln. Ein genauer Betrag steht jedoch noch nicht fest, auch die Bedingungen, zu denen Spanien das Geld erhält, sind nicht festgelegt. Spanien ist finanziell in Bedrängnis, weil sein Bankensektor kurz vor dem Zusammenbruch steht . Das Land verfügt nicht über genügend Geld, um seine Banken zu rekapitalisieren.

Spanien ist nach Griechenland , Irland und Portugal das vierte Land, das Unterstützung aus dem Euro-Rettungsfonds erhält. Anders als bei Griechenland soll der Kredit jedoch nicht an strenge Sparauflagen geknüpft werden, weil das Geld ausschließlich für den Finanzsektor eingesetzt wird.